Ärzte ohne Grenzen stellt Seenotrettung ein: Die zentrale Seenotrettungsleitstelle in Rom hat die Hilfsorganisation vor Sicherheitsrisiken in Verbindung mit Drohungen der libyschen Küstenwache gewarnt. Die Ärzte werfen den europäischen Staaten vor, gemeinsam mit libyschen Behörden Migranten davon abzuhalten, einen Weg in die Sicherheit zu finden.“Es wird mehr Tote im Mittelmeer geben und mehr Menschen werden in Libyen gefangen sein. Über die „Hölle auf Erden“, die viele Flüchtlinge in Libyen erleben, hatte Oxfam gerade berichtet.

Flüchtlinge im Mittelmeer

MSF stellt Seenotrettung wegen Bedenken gegenüber Libyen ein

Das Rettungsschiff "Vos Prudence" von Ärzte ohne Grenzen | Bildquelle: dpa

12.8.2017, 18:05 Uhr

(dpa) Die Hilfsorganisation Médecins sans frontières (MSF) will vorerst keine Such- und Rettungseinsätze im Mittelmeer mehr fahren. Die zentrale Seenotrettungsleitstelle in Rom habe die Hilfsorganisation vor Sicherheitsrisiken in Verbindung mit Drohungen der libyschen Küstenwache gewarnt, die sich gegen die Schiffe humanitärer Organisationen in internationalen Gewässern vor der Küste des Bürgerkriegslands richteten, teilte MSF am Samstag mit. Die Organisation bezog sich auf Berichte, laut denen libysche Behörden eine eigene Such- und Rettungszone einrichten wollen, die den Zugang von Nichtregierungsorganisationen in die internationalen Gewässer beschränken würde.

In der MSF-Mitteilung heisst es: «Wenn sich diese Ankündigungen bestätigen und die Anweisungen in die Tat umgesetzt werden, kann das aus unserer Sicht zwei gravierende Folgen haben – es wird mehr Tote im Mittelmeer geben und mehr Menschen, die in Libyen gefangen sind.» Die jüngst beschlossene italienische Marine-Operation zur Unterstützung der libyschen Küstenwache sei ein weiteres «besorgniserregendes Element in einem zunehmend feindseligen Umfeld für lebensrettende Einsätze».

MSF warf den europäischen Staaten vor, gemeinsam mit libyschen Behörden Migranten davon abzuhalten, einen Weg in die Sicherheit zu finden. Die Organisation war bisher mit dem Schiff «Vos Prudence» im Einsatz auf dem Mittelmeer. Ein Team der Organisation soll weiterhin an Bord des Rettungsschiffs «Aquarius» von SOS Méditerranée zur medizinischen Versorgung von Geretteten bleiben.

https://www.nzz.ch/international/fluechtlinge-im-mittelmeer-msf-stellt-seenotrettung-wegen-bedenken-gegenueber-libyen-ein-ld.1310467

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