Uno-Sprecher: Schließung von Al-Jazeera wäre inakzeptabel. Dies ist ein „inakzeptabler Angriff auf das Recht der freien Meinungsäußerung“, sagte der Sprecher des UNO-Menschenrechtskommissars. Der Nachrichtensender hat in der arabischen Welt, in denen die Medien zensiert werden, großen Einfluss, für Saudi-Arabien und seine Verbündeten ist er ein Ärgernis. Saudi-Arabien, VAE, Bahrain und Ägypten sollten stattdessen öffentliche Debatte anstrengen

Saudi-Arabien, VAE, Bahrain und Ägypten sollten stattdessen öffentliche Debatte anstrengen

Genf – Die Vereinten Nationen haben die Forderung arabischer Länder kritisiert, den im Golfstaat Katar ansässigen Nachrichtensender Al-Jazeera zu schließen. Dies sei ein „inakzeptabler Angriff auf das Recht der freien Meinungsäußerung“, sagte Rupert Colville, der Sprecher des UNO-Menschenrechtskommissars, am Freitag in Genf.

Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und Ägypten sollten einfach eine öffentliche Debatte darüber anstrengen, falls sie Probleme mit ausländischen TV-Sendern hätten, erklärte Colville vor Reportern weiter. Vor vier Wochen hatten diese Länder alle Kontakte zu Katar abgebrochen und die Grenzen geschlossen – aus Ärger über Katars angebliche Unterstützung für Terrorgruppen und seine guten Kontakte zum schiitischen Iran.

Kürzlich legten Saudi-Arabien und die drei anderen Verbündeten der Regierung des Emirats in Doha eine Liste mit Forderungen vor, die zu erfüllen seien, um die Beziehungen wieder zu normalisieren. Darunter befand sich auch jene, Al-Jazeera zu schließen. Der Nachrichtensender hat in der arabischen Welt großen Einfluss, für Saudi-Arabien und seine Verbündeten ist er ein Ärgernis. (APA, 30.6.2017)

http://derstandard.at/2000060604096/Uno-Sprecher-Schliessung-von-Al-Jazeera-waere-inakzeptabel

 

Mehr zu dem Konflikt:

Islamistische und mit dem Westen verbündete Feudalherrn fordern: Al-Jazeera soll schweigen! Der Sender brachte Meinungsvielfalt in die von staatlichen Zensoren beherrschte arabische Medienlandschaft. Diplomatische Krisen wegen der Berichterstattung des Senders gab es schon früher. Er hatte im Lauf der Zeit alle arabischen Regime ausser das im eigenen Land, in Katar, kritisiert. So ist es gesetzlich verboten, das Herrscherhaus von Katar zu kritisieren. Auch Kritik an Saudi-Arabien war beim Sender in den letzten Jahren ein Tabu. Manche werfen dem Sender auch vor, in den Chor des Konfessionalismus einzustimmen und bisweilen Schia-feindliche Rhetorik zu verbreiten. Dennoch ist al-Jazeera immer noch professioneller und pluralistischer als andere lokale Stationen. Am Freitag haben Riad und Abu Dhabi die Schliessung von al-Jazeera offiziell zu einer ihrer 13 Bedingungen für ein Ende der Blockade gemacht. Der Sender kritisierte darauf jetzt erstmals wieder das Regime in Saudi-Arabien und den Krieg gegen Jemen. «Wohin geht die arabische Koalition in Jemen?», fragt die Stimme des Reporters im Off, während Kriegsbilder über den Bildschirm flimmern. «Das fragen sich viele Leute nach über zweieinhalb Jahren Krieg.» Saudiarabien und die Vereinigten Arabischen Emirate, die in Jemen eine Militärkoalition gegen die Huthi-Rebellen anführen, «haben keinen klaren Plan» für das Land, fährt der Fernsehbericht fort. Er verweist auf die chaotische Lage in den Gebieten, welche die Koalition befreit hat, und auf Spaltungen innerhalb des Anti-Huthi-Bündnisses. Die Jemeniten müssten jetzt den Preis dafür zahlen mit der Verbreitung von Krankheiten, Tod und Vertreibung. Das sind neue Töne des Fernsehsenders, der bisher wenig kritisch über die Intervention in Jemen berichtet hatte – solange Katar Teil der Koalition in Jemen war. Jetzt hat Doha seine eher symbolische Beteiligung beendet. Was werden die westlichen Werte-Vertreter zu dieser versuchten Einschränkung der demokratischen Freiheiten sagen? Wir wissen es: Schon über den brutalen Jemenkrieg und das Leid, das die Saudis anrichten, berichten sie kaum.
https://internationalesforumblog.wordpress.com/2017/06/24/islamistische-feudalherrn-fordern-al-jazeera-soll-schweigen-der-sender-brachte-meinungsvielfalt-in-die-von-staatlichen-zensoren-beherrschte-arabische-medienlandschaft-diplomatische-krisen-wegen-der/

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