Noriega, zuerst hoffierter Freund und dann gejagter Feind der USA ist gestorben: In den USA kam eine Senatskommission 1989 zu dieser Einschätzung: «Die Geschichte von General Manuel Antonio Noriega ist einer der schwersten Fehler in der US-Aussenpolitik. Er hat die US-Politik gegenüber seinem Land manipuliert und sich fast absolute Macht in Panama gesichert. Jede US-Behörde, die mit ihm zu tun hatte, verschloss die Augen vor Korruption und Drogenhandel.» 1986 enthüllten US-Medien, dass Noriega seit mindestens zehn Jahren auf der Gehaltsliste der CIA stand. Da Waffen über Panama an die Contra-Rebellen in Nicaragua gingen, die die linksgerichteten Sandinisten stürzen sollten, verschloss die CIA im Gegenzug die Augen davor, dass Noriega Drogen-Geschäfte mit dem Medellín-Kartell machte. Und Noriega hat wohl selbst die Ermordung des panamaischen Präsidenten Toriijos organisiert, der mit Charter die volle Kontrolle der Kanalzone durch Panama vereinbaren konnte. Als Noriega dann selbst diese Politik fortsetzen wollte und noch dazu das US-Trainingscamp „School of Amerikas“ für den Dschungelkrieg in Panama schließen wollte, stürzte die US-Regierung mit einer Militärintervention Noriega und warf ihm plötzlich das vor, was sie jahrelang toleriert hatten. 1000 bis 4000 Menschen in Panama verloren bei der US-Aktion ihr Leben.

Ex-Diktator Manuel Noriega gestorben

Vom Freund zum Feind der USA

von Andres Wysling30.5.2017, 07:21 Uhr
Panamas früherer Machthaber Manuel Noriega ist im Alter von 83 Jahren gestorben. Er machte eine Karriere als CIA-Informant und Drogenhändler. Bei einer US-Invasion wurde er gefangen genommen.
Manuel Noriega nach der gefälschten Präsidentenwahl 1989. (Bild: Matias Recart / Keystone)

Manuel Noriega nach der gefälschten Präsidentenwahl 1989. (Bild: Matias Recart / Keystone)

Manuel Noriega, ehemaliger Diktator Panamas, ist in der Nacht auf Dienstag gestorben. Er litt an einem Gehirntumor und befand sich seit drei Monaten im künstlichen Koma. Mit Noriegas Tod schliesse sich ein Kapitel der panamaischen Geschichte, erklärte Präsident Juan Carlos Varela laut lokalen Medien.

Aufräumen im «Hinterhof»

Noriega war Panamas Machthaber von 1983 bis 1989. Zuerst war er ein wichtiger Informant des amerikanischen Geheimdienstes CIA, doch gleichzeitig war er im Grosshandel mit Drogen tätig. Zu seinen Geschäftspartnern und politischen Freunden zählten unter anderen der kubanische «Líder maximo» Fidel Castro und der kolumbianische Drogenboss Pablo Escobar. Er fiel bei den Amerikanern in Ungnade, 1988 wurde Anklage gegen ihn erhoben. 1989 fand eine Präsidentenwahl statt; Noriegas Schlägertrupps verhinderten einen Machtwechsel.

Der amerikanische Präsident George H.W. Bush unternahm einen Militärschlag mit 20’000 Soldaten in Panama, um Noriega zu stürzen. Es war die letzte derartige Intervention Amerikas im zentralamerikanischen «Hinterhof». Sie forderte nach unterschiedlichen Schätzungen zwischen 1000 und 4000 Tote und löste in antiamerikanisch eingestellten Kreisen einen Aufschrei aus.

Gefängniskarriere

Noriega wurde bei der Operation gefangen genommen – nach kurzem Asyl in der päpstlichen Nuntiatur stellte er sich selbst – und in die USA gebracht. 1992 wurde er von einem amerikanischen Gericht zu einer Gefängnisstrafe von 40 Jahren (später 30 Jahren) verurteilt, wegen Drogenhandels, Bandenkriminalität und Geldwäsche.

Nachdem er seine Haft in den Vereinigten Staaten abgesessen hatte, wurde Noriega an Frankreich ausgeliefert. Dort verurteilte ihn ein Gericht wegen Geldwäsche. Nach Einschätzung der französischen Behörden hatte er seine Drogengelder in Immobilien in Frankreich investiert. 2011 wurde er an Panama ausgeliefert und dort ins Gefängnis El Renacer in der Kanalzone eingeliefert, verurteilt wegen Folter und Ermordung von zehn Putschisten im Jahr 1989.

Späte Reue

Zuletzt packte Noriega die Reue. Er habe in seiner langen Haft viel Zeit zum Nachdenken gehabt und zu Gott gefunden, sagte er 2015 in einem Fernsehinterview. «Ich bitte alle um Vergebung, die sich durch meine Taten angegriffen, geschädigt oder gedemütigt fühlen.»

Steiler Aufstieg

Noriegas Kindheit liegt einigermassen im Dunkeln. Sein Geburtsjahr ist ungewiss, angegeben werden 1934 oder 1938. Angeblich wuchs er bei Pflegeeltern auf. In Peru erhielt er eine militärische Ausbildung. Wahrscheinlich begann schon dort seine Zusammenarbeit mit der CIA.

Noriegas Aufstieg begann im Jahr 1969, als der damalige Diktator Omar Torrijos (1968-1981) ihn zum Chef des Geheimdienstes G-2 beförderte. Torrijos wollte die amerikanische Kontrolle des Panama-Kanals beenden; darüber wurde 1977 ein Vertrag abgeschlossen.

Torrijos kam bei einem Flugzeugunfall ums Leben. Später hiess es, Noriega habe ihn aus dem Weg geschafft. Jedenfalls beförderte er sich selbst dann zum General und übernahm die Macht im Land.

Selbstkritik in Amerika

In den USA kam eine Senatskommission 1989 zu dieser Einschätzung: «Die Geschichte von General Manuel Antonio Noriega ist einer der schwersten Fehler in der US-Aussenpolitik. Er hat die US-Politik gegenüber seinem Land manipuliert und sich fast absolute Macht in Panama gesichert. Jede US-Behörde, die mit ihm zu tun hatte, verschloss die Augen vor Korruption und Drogenhandel.»

Hintergründe, die in der NZZ fehlen:

Mitte der 1980er Jahre geriet Noriega ins Visier der US-amerikanischen Drogenfahndung. Zudem wollte Noriega die Politik Omar Torrijos’ fortsetzen. So verweigerte er die Verlängerung des Betriebs des militärischen Trainingscamps School of the Americas.

https://www.nzz.ch/international/ex-machthaber-panamas-manuel-noriega-gestorben-ld.1298307

https://de.wikipedia.org/wiki/Manuel_Noriega

zu Torrijos:

Am 7. September 1977 schlossen Torrijos und der damalige US-Präsident Jimmy Carter die Torrijos-Carter-Verträge, die Panama ab dem 31. Dezember 1999 die volle Souveränität über die Kanalzone garantierten. Ein Zusatzvertrag (der Neutralitätsvertrag) enthielt aber auch Klauseln, die Panama zu demokratischen Verhältnissen und zur Nichtbehinderung des internationalen Handels verpflichtet. Die Ratifizierungszeremonie in Fort Clayton geriet für Torrijos zur Peinlichkeit, weil er erkennbar betrunken war.[7] Als Dank für seine politische Unterstützung in den Verhandlungen zu den Torrijos-Carter-Verträgen schenkte Omar Torrijos seinem Freund John Wayne die Insel Taborcillo.[8] Von konservativen Kreisen, allen voran den republikanischen Falken, wurde Carter für diesen Vertragsschluss als Verräter US-amerikanischer Interessen scharf angegriffen. Vor allem die US-Militärs und die Bechtel Group – einer der weltgrößten Anlagenbauer – sahen sich als Verlierer dieses Vertrages: Der Vertrag verfügte nämlich auch die Schließung der School of the Americas und des Ausbildungszentrums für den Dschungelkrieg des United States Southern Command. [9] Die Bechtel Group, in deren Unternehmensleitung einst Ronald Reagans Außenminister George Shultz als Präsident und Reagans Verteidigungsminister Caspar Weinberger als Vize saßen, sah sich durch Torrijos‘ Pläne, einen neuen Kanal mit japanischer Hilfe zu bauen, vom größten Bauprojekt des Jahrhunderts ausgeschlossen.[10]

Tod durch Flugunfall[

Mausoleo al General Omar Torrijos Herrera y área circundante 2

Vier Jahre nach Abschluss des Vertrags kam Torrijos unter ungeklärten Umständen am 1. August 1981 bei einem Flugzeugunfall ums Leben. John Perkins zufolge handelte es sich dabei um Mord durch den US-amerikanischen Geheimdienst CIA. [11] Roberto Diaz Herrera,ein ehemaliger Oberst unter Diktator Noriega und Cousin Torrijos, behauptet in seinem 2009 erschienenen Buch „Estrellas Clandestinas“, dass Omar Torrijos von Manuel Noriega im Auftrag der CIA ermordet worden sei.[12] [13] [14] [15]

https://de.wikipedia.org/wiki/Omar_Torrijos

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