Sanders-Kampagne schult britische Labour-/Momentum-Aktive. Labour holt im Wahlkampf gegen die Konservativen auf. Die linke Momentum-Bewegung will Jeremy Corbyn zum Sieg verhelfen. Sie hofft auf einen Bernie-Sanders-Effekt. Bis zu den Parlamentswahlen Anfang Juni werden sie von Haus zu Haus gehen, um die Menschen davon zu überzeugen, Labour zu wählen. Der heutige Redner, der sie dafür schulen soll: der 27-jährige Jeremy Parkin. Er hat während der Vorwahlen der Demokraten in den USA im vergangenen Jahr in mehreren Bundesstaaten für die Kampagne des linken Senators und Clinton-Konkurrenten Bernie Sanders gearbeitet.Die Stimmung ist gut. Noch vor wenigen Wochen lag Labour in Umfragen abgeschlagen hinter der regierenden konservativen Partei. Doch seit Corbyn vor wenigen Tagen das traditionell sozialdemokratische Wahlprogramm seiner Partei vorgestellt hat, holt Labour auf. Laut einer der jüngsten Umfragen hat die Partei innerhalb weniger Tage ganze acht Prozentpunkte zugelegt.

aus der „Zeit“: Wahl in Großbritannien:
Feel the Corbyn

Labour holt im Wahlkampf gegen die Konservativen auf. Die linke Momentum-Bewegung will Jeremy Corbyn zum Sieg verhelfen. Sie hofft auf einen Bernie-Sanders-Effekt.
Wahl in Großbritannien: Die Bewegung, die ihm zum Sieg verhelfen soll: Labour-Chef Jeremy Corbyn spricht vor Momentum-Anhängern in Manchester.
Die Bewegung, die ihm zum Sieg verhelfen soll: Labour-Chef Jeremy Corbyn spricht vor Momentum-Anhängern in Manchester. © Anthony Devlin/Getty Images

Einige Dutzend Männer und Frauen drängen sich vor dem Gewerkschaftsgebäude neben dem Euston-Bahnhof im Zentrum von London. Eine Frau am Eingang geht eine lange Namensliste durch, die sich über mehrere Seiten zieht. Einlass bekommen nur diejenigen, die sich zuvor online registriert haben. Sie entschuldigt sich immer wieder dafür, dass es so lange dauert. „Der Andrang heute ist wirklich enorm“, sagt sie und schaut verzweifelt zu ihrer Kollegin.

In dem großen Versammlungsraum sind schnell sämtliche Stühle vergeben. Einige Teilnehmer der Veranstaltung setzen sich auf den Boden, andere stellen sich in die Ecken. Sie alle sind Mitglieder der Labour-nahen Organisation Momentum, und sie sind Freiwillige: Bis zu den Parlamentswahlen Anfang Juni werden sie von Haus zu Haus gehen, um die Menschen davon zu überzeugen, Labour zu wählen.

Der heutige Redner, der sie dafür schulen soll, steht bereits vorne: der 27-jährige Jeremy Parkin. Er ist dünn, die braunen Haare sind kurz, er trägt einen Kinnbart. Auf seinem T-Shirt steht „Feel the Bern!„. Parkin hat während der Vorwahlen der Demokraten in den USA im vergangenen Jahr in mehreren Bundesstaaten für die Kampagne des linken Senators und Clinton-Konkurrenten Bernie Sanders gearbeitet.

In den vergangenen zwei Jahren ist in der britischen Presse viel über Momentum geschrieben worden, nicht unbedingt viel Gutes. Die Organisation ist im Oktober 2015 aus der Unterstützungskampagne für die Wahl des Parteilinken Jeremy Corbyn zum Parteichef hervorgegangen und bezeichnet sich auf ihrer Website selbst als „Basis-Kampagnen-Netzwerk“. Laut eigenen Angaben hat Momentum mehr als 24.000 Mitglieder und mehr als 200.000 Unterstützer. Kritiker stellen die Bewegung gern als Sammelbecken für Linksextreme dar, das versucht, Labour zu unterwandern und die Partei an den linken Rand zu drängen.

 In Umfragen liegt Labour noch hinter den Konservativen

Wie eine Ansammlung trotzkistischer Verschwörer sieht das Treffen in dem Gewerkschaftsgebäude auf den ersten Blick jedoch nicht aus. Viele der Aktivisten sind älter, als man erwartet hätte. Der Strickjackenanteil ist hoch. Auch die meisten Studenten, die hier sind, entsprechen optisch nicht linksalternativen Klischees.

Die Stimmung ist gut. Noch vor wenigen Wochen lag Labour in Umfragen abgeschlagen hinter der regierenden konservativen Partei. Doch seit Corbyn vor wenigen Tagen das traditionell sozialdemokratische Wahlprogramm seiner Partei vorgestellt hat, holt Labour auf. Laut einer der jüngsten Umfragen hat die Partei innerhalb weniger Tage ganze acht Prozentpunkte zugelegt.

Eine Dame in den Fünfzigern erzählt, sie habe wegen der dauernden Negativberichterstattung über Corbyn vor einigen Tagen ihr Guardian-Abo gekündigt. Da das aber praktisch die einzige überregionale Tageszeitung des Landes links der Mitte sei, habe sie nun nichts mehr zu lesen. „Ist das nicht schade?“ Als freiwillige Wahlwerberin stecke sie derzeit ein wenig in der Zwickmühle: Die Labour-Abgeordnete in ihrem Vorort von London habe den Brexit unterstützt. Das ärgere sie. „Aber was soll man machen.“ Dann wendet sie sich Jeremy Parkin zu.

Während oben die Veranstaltung beginnt, sitzt Rachel Godfrey Wood in einem Besprechungszimmer Keller. Die Kampagnen-Koordinatorin von Momentum sagt, es sei äußerst wichtig, jetzt an Türen zu klopfen und mit den Menschen zu reden. „Ein Grund dafür, dass Labour und viele sozialdemokratische Parteien ein Problem bekommen haben, ist, dass sie den persönlichen Kontakt zu den Leute verloren haben, die sie repräsentieren sollen. Und das überall in Europa.“ Die Parteien seien „zu technokratisch und distanziert“ geworden und hätten sich zu sehr darauf verlassen, dass die Medien ihre Botschaft transportierten.

Wer soll den Brexit aushandeln?

Dabei stehe Momentum „zu hundert Prozent“ hinter dem Labour-Wahlprogramm, sagt Godfrey Wood. Dass viele Medien nach dessen Vorstellung „reflexartig“ angefangen hätten, auf die Pläne „einzudreschen“ und es als Rückfall in die 1970er Jahre bezeichnet hätten, habe sie nicht überrascht. Doch die Öffentlichkeit habe äußerst positiv darauf reagiert, und so sei auch die Berichterstattung ausgewogener geworden.

Von der Wahlkampagne von Bernie Sanders in den USA habe man viel gelernt, sagt Godfrey Wood. So habe die Organisation eine Appeingerichtet, um die Aktivisten zu vernetzen. Bei den Schulungen der Freiwilligen helfen Sanders-Unterstützer aus.

In dem vollgepackten großen Versammlungsraum oben ist es inzwischen heiß geworden. Jeremy Parkin erklärt, wie wichtig es sei, bei Gesprächen mit Wählern konkret zu werden. „Sagt nicht: Sie liegen falsch. Sondern sagt: Wie können wir in dieser Frage zusammenarbeiten?“ Praktisch jeder Mensch habe ein Anliegen, das ihn am meisten bewege. „Und das bringt die Leute auch dazu, wählen zu gehen: Sie wählen aus einem Gefühl heraus.“ Darauf müsse man eingehen, etwa, indem man eine Geschichte über sich selbst erzähle, sagt Parkin. Man könne Menschen nicht mehr mit Fakten überzeugen. „Glaubt mir, ich komme aus den USA: Wir wählen nicht mehr aufgrund von Fakten.“ Alle im Saal lachen.

Trumps Wahlsieg ist der Grund, warum Parkin an diesem Tag in London auf der Bühne steht. „Ich habe mir gedacht, es gibt noch immer diese progressive Energie weltweit“, sagt der 27-Jährige. „Wenn ich meine Fähigkeiten dazu nutzen kann, das zu unterstützen, warum mache ich das nicht.“ Daher sei er ehrenamtlich gekommen, um Momentum-Wahlhelfer zu schulen. Er will bis zu den Neuwahlen bleiben.

Auf seine Bemerkung zu den Fakten angesprochen, lacht Parkin. „Fakten sind nicht komplett unwichtig. Aber man kann die Meinung von Leuten nicht mit Fakten verändern.“ Wenn Leute sich selbst informierten, dann könne es schon sein, dass sie auf der Basis von Fakten ihre Meinung änderten. „Aber wenn jemand vor der Tür steht und sagt: Deine Fakten sind falsch, dann überzeugt das niemanden.“ Dann bekomme man Streit mit den Leuten, und das sei es dann gewesen.

Da kann man schon Leute mitreißen

Richard Jones nimmt positive Impulse aus dem Vortrag mit. Jones ist Anfang 30, er ist bereits mit einer Gruppe von Wahlwerbern in Enfield im Norden von London unterwegs gewesen. „Es ist aber schon sehr ermüdend, von Tür zu Tür zu gehen. Und dann auf der Karte zu sehen, wie viele Straßen man noch abdecken muss.“ Da könne man leicht zu dem Schluss kommen, dass man nicht wirklich einen Einfluss habe. „Aber diese Menschenmenge hier zu sehen, war wirklich inspirierend.“

Zwischen Corbyn und Sanders sieht er Parallelen. „Sanders ist in den USA ja auch gescheitert, weil er als unwählbar dargestellt worden ist. Das gleiche passiert hier mit Corbyn.“ Dabei habe Corbyn gerade im Zusammenhang mit dem Brexit gute Chancen, sich von den Tories abzuheben. „Ich denke, es ist ein gutes Argument, dass Corbyn einen guten Brexit-Deal für die Arbeiter möchte.“ Premierministerin Theresa May scheine darauf zu setzen, dass sie „eine große Überzeugungskraft“ habe und von der EU schon bekommen werde, was sie wolle, sagt Jones. „Das ist wohl ein Überbleibsel aus der Zeit des Kolonialismus. Dahinter steckt aber nicht viel.“ Da könne man schon die Frage stellen: Möchte man, dass eine konservative Regierung oder eine Labour-Regierung den Brexit aushandelt, sagt Jones und hofft, dass das einen Unterschied macht. „Da kann man schon Leute mitreißen.“

http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-05/wahl-grossbritannien-momentum-jeremy-corbyn-premierminister/komplettansicht

Momentum (Organisation)

Momentum, auch People’s Momentum, ist eine britische politische Organisation, die für die Unterstützung Jeremy Corbyns und seiner politischen Positionen[1] auf die Labour Party einwirken will.

Jon Lansman, ein linker Labour–Aktivist und früherer Mitarbeiter Tony Benns, gründete die Organisation Momentum im Oktober 2015. Sie trat als Nachfolgeorganisation der erfolgreichen Unterstützerkampagne für die Wahl Corbyns zum Parteivorsitzenden[2] auf, von der sie die Daten der Mitglieder übernehmen konnte.[3] Sie war zunächst für alle Unterstützer Corbyns offen, auch wenn sie keine Mitglieder der Labour Party waren. Als Ziel gaben die Gründer an, Graswurzelinitiativen wie Initiativkindergärten oder Mietervereinigungen zu unterstützen und zu vernetzen, um neue Anhänger und Wähler für Jeremy Corbyn zu gewinnen. Auch solle auf die innerparteiliche Kandidatenauswahl Einfluss genommen werden. Ein Schwerpunkt der Organisation liegt auf der Arbeit in sozialen Medien. Unter dem Namen „People’s PPE“ soll ein linkes intellektuelles Netzwerk aufgebaut werden und es wurden mehrere Konferenzen organisiert.[4][3] Im Februar 2016 wurde eine kostenpflichtige Mitgliedschaft beschlossen und Mitgliedern anderer Parteien außer Labour der Eintritt verwehrt.[5] Im Februar 2017 gab sich die Organisation eine neue Satzung.[6] Danach müssen Neumitglieder auch der Labour–Partei beitreten, die vorhandenen Mitglieder sollen diesen Schritt bis Juli 2017 tun. Suspendierte Labour–Mitglieder dürfen in Momentum bleiben, wer aus der Labour–Partei ausgeschlossen wurde, hat ein Recht auf eine Anhörung[7] Die Organisation wird von einer National Coordinating Group geführt, der Mitglieder aus allen Teilen Großbritanniens, Labour–Amtsträger und Vertreter anderer Labour–Unterstützergruppen angehören.[8] Ein Member’s Council aus 50 Mitgliedern, das die Mitgliederbasis zusätzlich vertreten soll, wird alle sechs Monate per Los bestimmt.[9]

Die Organisation gibt im Mai 2017 über 20.000 Mitglieder an, die in 150 lokalen Gruppen organisiert sind.[10]

Kritiker werfen Momentum vor, hauptsächlich die Abwahl von Corbyn–Gegnern zu beabsichtigen und trotzkistisch unterwandert zu sein. Momentum-Sprecher weisen das mit Blick auf ihre basisdemokratische Orientierung und ihr junges Alter zurück.[3][1]

Weblink

Momentum is a grassroots campaigning network of over 20,000 members and 150 local groups, which evolved out of Jeremy Corbyn’s 2015 election campaign. Momentum is mobilising the mass campaigning movement that we need to get Labour into government.

http://www.peoplesmomentum.com/

Bildergebnis für momentum labour party

http://www.peoplesmomentum.com/winning_the_general_election

MOMENTUM ACTIVIST TRAINING – CARDIFF

Join us and a guest speaker from the Bernie Sanders campaign for a training session to prepare us for the most important day of the general election campaign.

Time: 7pm – 9pm

Date: Tuesday 30 May

Location: Taff Suite 1, Sport Wales, Cardiff CF11 9SW

Make sure you RSVP here to let us know you are coming.

We will run through what happens on GOTV day and how to be most effective. On June 8th we will knock on hundreds of thousands of doors to remind Labour supporters to vote. This will make the difference between winning and losing. It is the most important day of campaigning.

The training is suitable for both new and experienced activists – it will cover:

  • the basics of door knocking

  • how to have persuasive conversations

  • how to find common ground with voters

  • linking policy to the issues that matter to people

  • how to answer challenging questions

The session will be active and participatory, while also providing practical advice and materials to use when campaigning.

If there is one day that you can make a difference for Labour it will be June 8th. Let’s make sure we are ready.

This event is for Momentum members only but you can join up for £1 on the door as part of our special general election membership.

WHEN
May 30, 2017 at 7pm – 9pm
WHERE
Taff Suite 1, Sport Wales
Cardiff CF11 9SW
United Kingdom
Google map and directions
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