G7-Gipfel vergrößert das Flüchtlingsleid und ignoriert Italiens Wunsch: Italien hatte Sizilien als Schauplatz für den G7-Gipfel ausgewählt, um die Staats- und Regierungschefs auf das Flüchtlingselend aufmerksam zu machen. Doch damit vergrößerten sie noch das Elend: Aus Sicherheitsgründen durften während des G-7-Gipfeltreffens in Taormina Rettungsschiffen Flüchtlinge nicht wie üblich in sizilianische Häfen bringen. Dies hat zur Folge, dass überladene Schiffe mit geretteten Migranten tagelang auf hoher See bleiben mussten. Die Organisation Médecins sans Frontières berichtete, eines ihrer Schiffe habe am Donnerstag 1500 Bootsflüchtlinge in Seenot geborgen, obwohl man eigentlich nur für 600 Personen Platz habe. Unter den Geretteten sollen sich auch 45 Kinder befinden. Weil das Boot nicht in Sizilien anlegen konnte, muss es bis nach Neapel fahren, wo es laut der Hilfsorganisation am Sonntag erwartet wird. Es sei inakzeptabel, dass wegen des Gipfeltreffens das Leben so vieler Menschen gefährdet werde. Und rausgekommen für die Flüchtlinge ist bei dem Treffen auch nichts: Anstatt in einer separaten Erklärung, wie der Gastgeber gewünscht hatte, wird das Thema nur mit ein paar unverbindlichen Zeilen in der allgemeinen Abschlusserklärung erwähnt.

NZZ: Sicherheitsmassnahmen auf Sizilien

Keine Bootsflüchtlinge bei G-7-Gipfel erwünscht

von Andrea Spalinger, Taormina27.5.2017, 14:50 Uhr
Seit einer Woche dürfen keine Rettungsboote in Sizilien mehr anlegen. Damit verlängert sich die Odyssee der Bootsflüchtlinge noch. Einige mussten bis nach Neapel gebracht werden.
(Bild: Keystone)

(Bild: Keystone)

Aus Sicherheitsgründen hat Italien während des G-7-Gipfeltreffens in Taormina Rettungsschiffen untersagt, Flüchtlinge wie üblich in sizilianische Häfen zu bringen. Das Verbot gilt bereits seit Montag. Laut Hilfsorganisationen hatte dies zur Folge, dass überladene Schiffe mit geretteten Migranten tagelang auf hoher See bleiben mussten.

Leserdebatte
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27.5.2017, 10:34

Die Organisation Médecins sans Frontières berichtete, eines ihrer Schiffe habe am Donnerstag 1500 Bootsflüchtlinge in Seenot geborgen, obwohl man eigentlich nur für 600 Personen Platz habe. Unter den Geretteten sollen sich auch 45 Kinder befinden. Weil das Boot nicht in Sizilien anlegen konnte, muss es bis nach Neapel fahren, wo es laut der Hilfsorganisation am Sonntag erwartet wird. Es sei inakzeptabel, dass wegen des Gipfeltreffens das Leben so vieler Menschen gefährdet werde, heisst es in einer Mitteilung.

Auch ein Schiff der in Malta beheimateten Hilfsorganisation Moas musste mit 600 Personen an Bord einen grossen Umweg fahren. Es ist am Sonntag in Crotone in Kalabrien gelandet. Unter anderem waren auch 34 Leichen an Bord, die nach einem Unglück letzte Woche geborgen worden waren. Laut italienischen Medienberichten war das Boot gekentert, weil die libysche Küstenwache darauf geschossen habe und die Insassen in Panik geraten seien. Unter den Todesopfern befanden sich offenbar auch zehn Kinder und ein Neugeborenes. In diesem Jahr sind laut dem UNHCR bereits 1520 auf dem Mittelmeer ums Leben gekommen.

Italien hatte Sizilien als Schauplatz für den G7-Gipfel ausgewählt, um die Staats- und Regierungschefs auf das Flüchtlingselend aufmerksam zu machen. In dieser Frage gab es bei dem Treffen aber wie bei vielen anderen nur einen minimalen Konsens. Anstatt in einer separaten Erklärung, wie der Gastgeber gewünscht hatte, wird das Thema nur mit ein paar unverbindlichen Zeilen in der allgemeinen Abschlusserklärung erwähnt.

https://www.nzz.ch/international/sicherheitsmassnahmen-auf-sizilien-keine-bootsfluechtlinge-bei-g-7-gipfel-erwuenscht-ld.1297474

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