Als auch viele in Not geratene Deutsche sich eine Zukunft nur noch in anderen Ländern, in Amerika, Brasilien oder Australien vorstellen konnten und ihre Heimat verließen. Daran sollten wir heute denken, bevor wir Menschen verurteilen, die zu uns kommen wollen. Wir sollten vielmehr gemeinsam überlegen, wie wir das tun, was US-Präsident Roosevelt in seiner Rede 1941 als Ziel der US-Politik verkündete: Eine Welt ohne Furcht und Not für alle aufbauen. Diese Ziele sind zwar in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte 1948 beschlossen worden; sie sind aber noch nicht umgesetzt, obwohl unsere Welt heute viel reicher ist als damals Europa war. Und dies ist der wesentliche Grund für die Flucht heute! Die Mehrheit der US-Amerikaner sah im Krieg nur das Spiel der Mächtigen mit ihren Leben und wollte nicht in den Krieg. Roosevelt begründete mit dieser Rede, warum die US-Amerikaner in den Zweiten Weltkrieg ziehen sollten: Für eine Welt, in der weltweit alle menschenwürdig leben können. Nachdem die Amerikaner zum Sieg beigetragen hatten, setzten sich in den USA andere Kräfte durch, die diese Werte nicht mehr vertraten. Die heute in den USA Herrschenden sind ein wesentlicher Grund, warum wir diese Ziele noch nicht erreicht haben!

In seinem Portrait  über Georg Büchner (1813-1837) schreibt Jürgen Seidel: Georg Büchner wird 1813 im Großherzogtum Hessen-Darmstadt geboren. Das Leben in Deutschland zu dieser Zeit ist alles andere als üppig. Die Rückständigkeit der Wirtschaft im europäischen Vergleich hat zu Massenarbeitslosigkeit geführt. Hier gibt es die höchste Sterblichkeitsrate, die meisten Auswanderungswilligen und den größten Prozentsatz an unehelichen Geburten. Während die Arbeitslöhne seit Jahrzehnten fast unverändert geblieben sind, haben sich die Mieten, Preise für Holz, Fleisch, Kleidung  und Schuhwerk stetig nach oben bewegt. In vielen Haushalten kommt im Verlauf eines Jahres überhaupt kein Fleisch auf den Tisch. Alkoholismus und Bettelei in allen erdenklichen Formen sind der sichtbare Ausdruck der wirtschaftlichen Misere. Die Cholera grassierte, Typhus und Kindbettfieber, oft mit tödlichem Ausgang.  Die Bettelei im Hessischen ist ohne Beispiel“ bemerkt 1831 einer Reisender, „oft lief ein Trupp zerlumpter Kinder unter Schreien und Winseln eine Viertelstunde weit neben dem Wagen her, um ein Almosen zu erhalten.“ Tausende in Not geratene Familien können sich eine Zukunft nur noch in Amerika, Brasilien oder Australien vorstellen und kehren ihrer Heimat den Rücken. Oberhessen verliert auf diesem Weg verglichen mit anderen Provinzen die meisten Einwohner.“
Bildergebnis

aus dtv Portrait Georg Büchner

Flucht aus bitterer Armut

Sie arbeiteten hart und hatten trotzdem kaum genug zum Leben: Edgar Reitz erzählt in „Die andere Heimat“ von Menschen im Hunsrück, die im 19. Jahrhundert vom Auswandern träumen.

Mitte des 19. Jahrhunderts brechen Deutsche in Scharen nach Übersee auf – auf der Suche nach einer neuen Heimat. Jakob (Jan Dieter Schneider, rechts) erklärt seinem Freund Franz Olm (Christoph Luser) und dessen Familie die Überfahrt nach Brasilien. Foto: Nikolai Ebert/Concorde Filmverleih

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