Macron bezeichnete im Wahlkampf den französischen Kolonialkrieg in Algerien als Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Frankreich solle Abstand nehmen von den alten neo-kolonialen Netzwerken. Auch heute noch setzt Frankreich in Afrika auf Gewalt und Krieg: 4000 französische Soldaten befinden sich auf afrikanischem Boden. Sie greifen militärisch ein in den fünf Ländern Mali, Tschad, Mauretanien, Niger und Burkina Faso. Macron kam zu seinem zweiten Staatsbesuch nach Mali: Damit setzt er ein Zeichen dafür, dass er dem Kontinent weiterhin eine hohe Priorität in der französischen Außenpolitik einräumt – von dort kommen viele Rohstoffe nach Frankreich – und das militärische Engagement Hollandes weiterzuführen gedenkt. Die anfänglichen Erfolge der französischen Soldaten in Mali wurden in letzter Zeit zunehmend relativiert durch einen andauernden Kleinkrieg. Die Islamisten haben sich in die unzugänglichen Wüstengebiete im Norden zurückgezogen, aber auch aufgespalten und im ganzen Land verteilt. Die malischen Guerilla-Angriffe beschränken sich dabei längst nicht mehr auf den Norden, sondern suchen das ganze Land heim. Allein im letzten Jahr kamen bei Angriffen 332 Personen ums Leben. Er wolle das militärische Vorgehen nun vermehrt mit entwicklungspolitischen Vorstössen kombinieren und besser mit Deutschland abstimmen, hört man aus dem Umkreis von Marcron.

Auslandsbesuch in Mali
Macron macht in Afrika weiter, was sein Vorgänger Hollande angefangen hat
von David Signer, Dakar20.5.2017, 08:00 Uhr
Der neue französische Präsident Macron besucht Mali. Die Reise signalisiert, dass Afrika weiterhin oben auf der Agenda in Paris steht.
Macron verspricht mehr Kooperation und weniger Paternalismus in Frankreichs ehemaligen Kolonien (Bild: Christophe Petit-Tesson / EPA)

Macron verspricht mehr Kooperation und weniger Paternalismus in Frankreichs ehemaligen Kolonien (Bild: Christophe Petit-Tesson / EPA)

Am Ende seiner ersten Woche im Amt ist der neue französische Präsident Emmanuel Macron bereits nach Afrika gereist. Nachdem er am Montag Bundeskanzlerin Merkel in Berlin getroffen hatte, besuchte er nun auf seiner zweiten Auslandreise die französischen Truppen in Gao, im Norden Malis. Begleitet wurde er vom neuen Aussenminister Le Drian, der unter Hollande, damals als Verteidigungsminister, die Militärintervention gegen die vorrückenden Jihadisten in Mali geleitet hatte.

Macron hatte während des Wahlkampfs für eine Kontroverse gesorgt, als er den französischen Kolonialkrieg in Algerien als Verbrechen gegen die Menschlichkeit bezeichnete. Er versprach, eine neue Seite in den Beziehungen zwischen Frankreich und Afrika aufschlagen zu wollen und Abstand zu nehmen von den alten neokolonialen Netzwerken. Das hatte in Westafrika Hoffnungen geschürt, dass man sich in Zukunft eher auf Augenhöhe mit der ehemaligen Kolonialmacht begegnen könnte als bisher. Zugleich dürfte der Besuch in Mali ein Zeichen dafür sein, dass Macron dem Kontinent weiterhin eine hohe Priorität in der französischen Aussenpolitik einräumt und das militärische Engagement Hollandes weiterzuführen gedenkt.

4000 französische Soldaten befinden sich im Rahmen der antiislamistischen Operation Barkhane auf afrikanischem Boden, 1700 von ihnen in der malischen Stadt Gao. Aus dem Umfeld Macrons verlautet, dass das militärische Vorgehen in Afrika zukünftig stärker mit Deutschland abgestimmt werden und einen «europäischeren» Charakter bekommen solle. Auch will er offenbar die militärischen Operationen vermehrt mit entwicklungspolitischen Vorstössen kombinieren. Das klingt sinnvoll, denn die anfänglichen Erfolge der französischen Soldaten in Mali wurden in letzter Zeit zunehmend relativiert durch einen andauernden Kleinkrieg. Allein im letzten Jahr kamen bei Angriffen 332 Personen ums Leben. Der Kampf gegen diesen Terror kann mit militärischen Mitteln allein wohl nicht gewonnen werden, solange sich der malische Präsident Keita und die Armee nicht auch um mehr Legitimität in der Bevölkerung, um gute Regierungsführung und weniger Korruption bemühen.

Die Militäroperation Serval wurde im Januar 2013 gestartet. Islamistische Kräfte hatten damals den Norden von Mali eingenommen und marschierten Richtung Hauptstadt Bamako. Dank der Intervention konnten die Islamisten bis weit in den Norden zurückgedrängt werden. Im Februar 2013 besuchte Hollande die geschichtsträchtige Stadt Timbuktu und verkündete die endgültige Befreiung vom Joch der Fanatiker.

Im Sommer 2014 wurde die Mission Serval durch die Nachfolge-Operation Barkhane abgelöst. Sie umfasst die fünf Länder Mali, Tschad, Mauretanien, Niger und Burkina Faso und hat den grenzüberschreitenden jihadistischen Terror im Auge. Die Bilanz von Serval ist durchzogen. Die Islamisten haben sich in die unzugänglichen Wüstengebiete im Norden zurückgezogen, aber auch aufgespalten und im ganzen Land verteilt. Im November 2015 verübte eine al-Kaida-nahe Gruppe einen Anschlag auf das Hotel Radisson Blu in Bamako mit 22 Todesopfern. Bis heute attackieren Terroristen immer wieder malische Soldaten sowie Angehörige der Blauhelmtruppe Minusma. Seit der Lancierung von Serval sind 17 französische Soldaten in Mali ums Leben gekommen. Die malischen Guerilla-Angriffe beschränken sich dabei längst nicht mehr auf den Norden, sondern suchen das ganze Land heim.

https://www.nzz.ch/international/macron-in-mali-aufmunterung-fuer-die-soldaten-in-der-wueste-ld.1295169

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