Die Erderwärmung schlägt in der Arktis viel härter zu, als das in gemäßigten Klimabereichen derzeit vorstellbar ist. Anfang 2017 haben die Forscher einen Anstieg von fünf Grad im Vergleich zum Durchschnitt der letzten 128 Jahre gemessen. So ist etwa die Fläche des Meereises innerhalb der vergangenen 20 Jahre um 1,21 Millionen Quadratkilometer zurückgegangen – das ist mehr als dreimal die Fläche von Deutschland. Die indigenen Völker rund um den Nordpolbefürchten die Vernichtung ihrer Lebensgrundlage. Seit Tausenden Jahren ernähren sie sich von dem, was die Natur und vor allem das Meer ihnen bietet. Diese alte Verbindung zwischen Mensch und Natur drohe zu zerbrechen, warnen Vertreter der Indigenen. Der Klimawandel bringe die natürlichen Abläufe durcheinander.Der schwindende Permafrost lässt etwa über Jahrhunderte im Eis eingeschlossene Bakterien ins Meerwasser und damit in die Nahrungskette geraten. Die Folge sind Krankheiten. Die Jagd ist vielerorts nicht mehr möglich, weil Jäger und Gejagte ins dünne Meereis einbrechen. Lebensmittel müssen vielfach mühsam und teuer mit Flugzeugen zu den Menschen gebracht werden. Der Klimawandel galt lange als Phänomen des 20. und 21. Jahrhunderts. Forscher haben nun herausgefunden, dass der Klimawandel schon um 1830 einsetzte – mit Beginn der industriellen Revolution.

UMWELT

Arktischer Rat bespricht Klimawandel

Die Erderwärmung schlägt in der Arktis viel härter zu, als das in gemäßigten Klimabereichen derzeit vorstellbar ist. Über Möglichkeiten, das einzudämmen, beraten die acht Staaten des Arktischen Rates in Alaska.

Spitzbergen - Arktisches Eis (picture alliance/dpa/J. Büttner)Wissenschaftler vor dem Kongsfjord-Gletscher auf der Insel Spitzbergen im Arktischen Ozean

Während die Welt im Kampf gegen den Klimawandel um die Einhaltung des sogenannten Zwei-Grad-Zieles kämpft, ist in der Arktis die Temperatur bereits deutlich stärker geklettert. Im Januar 2017 haben die Forscher einen Anstieg von fünf Grad im Vergleich zum Durchschnitt der letzten 128 Jahre gemessen.

Hoffen auf Trump

Die vom Klimawandel hart getroffenen Menschen in der Arktis-Region hoffen auf eine kontinuierliche Klimapolitik der USA. Der Kampf gegen den Klimawandel müsse auch eine Priorität in der Administration von Präsident Donald Trump bleiben, forderten Klimaschützer vor Beginn des Ministertreffens des Arktischen Rates in Fairbanks im US-Bundesstaat Alaska. Ob ihre Hoffnung eine realistische Chance auf Verwirklichung hat, ist fraglich. Die USA überlegen, aus dem Pariser Klimaschutzabkommen, das fast 200 Länder mittragen, auszusteigen. Zudem hat sich Trump vor kurzem für eine Ausweitung der Ölförderung in der Arktis ausgesprochen.

Arktis - Eisbär schwimmt (picture-alliance/dpa/H. Bäsemann)Das Wasser steht den Eisbären im wahrsten Sinne des Wortes bis zum Hals

Lebensgrundlage zerstört

Die indigenen Völker rund um den Nordpolbefürchten die Vernichtung ihrer Lebensgrundlage. Seit Tausenden Jahren ernähren sie sich von dem, was die Natur und vor allem das Meer ihnen bietet. Diese alte Verbindung zwischen Mensch und Natur drohe zu zerbrechen, warnen Vertreter der Indigenen. Der Klimawandel bringe die natürlichen Abläufe durcheinander.Der schwindende Permafrost lässt etwa über Jahrhunderte im Eis eingeschlossene Bakterien ins Meerwasser und damit in die Nahrungskette geraten. Die Folge sind Krankheiten. Die Jagd ist vielerorts nicht mehr möglich, weil Jäger und Gejagte ins dünne Meereis einbrechen. Lebensmittel müssen vielfach mühsam und teuer mit Flugzeugen zu den Menschen gebracht werden.

Nordpolarregion 2030 im Sommer eisfrei

In der Region nördlich des Polarkreises lag laut Berechnungen von Experten die Durchschnittstemperatur im Januar 2017 um fünf Grad höher als im Durchschnitt der Jahre 1982 bis 2010. Mehrere Studien haben belegt, dass das Eis der Arktis schneller schmilzt als zunächst befürchtet. Schon 2030 könnte die Nordpolarregion im Sommer eisfrei sein.

Zu den Achter-Außenministerberatungen reisten auch US-Außenminister Rex Tillerson und sein russischer Amtskollege Sergej Lawrow nach Fairbanks. Der Arktische Rat ist das einzige multilaterale Gremium, das sich ausschließlich mit der Arktis befasst. Ihm gehören die Anrainerstaaten USA, Kanada, Russland, Dänemark, Schweden, Finnland, Norwegen und Island an. Die Außenminister treffen sich alle zwei Jahre. Die Beschlüsse des politischen Gremiums sind jedoch nicht rechtsverbindlich.Deutschland gehört zu den zwölf ständigen Beobachterstaaten.

Deutschlands Grüne warnen

Sie forderten mehr Engagement für die Arktis. Auch die Bundesregierung müsse für ein vorläufiges Verbot der Rohstoffförderung in Schutzzonen der Arktis werben und ihre Anstrengungen im Klimaschutz verstärken, sagte Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter anlässlich des Treffens in Fairbanks. „Das ist ein ökologisches Desaster und geht uns alle an: Ein steigender Meeresspiegel wäre auch für uns bedrohlich.“

Eisfläche nimmt dramatisch ab

In der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen hat die Bundesregierung alarmierende Fakten zur Arktis zusammengetragen. So ist etwa die Fläche des Meereises innerhalb der vergangenen 20 Jahre um 1,21 Millionen Quadratkilometer zurückgegangen – das ist mehr als dreimal die Fläche von Deutschland. Der Anteil von mindestens vier Jahre altem und damit dickerem und stabilerem Eis ist seit 1985 von 16 auf 1,2 Prozent gesunken, der Anteil des dünneren, fragileren einjährigen Meereises dagegen von 55 auf 78 Prozent gestiegen.

qu/uh (dpa, rtr, APE)

http://www.dw.com/de/arktischer-rat-bespricht-klimawandel/a-38802622

 

WISSEN & UMWELT

Klimawandel begann schon vor 180 Jahren

Der Klimawandel galt lange als Phänomen des 20. und 21. Jahrhunderts. Forscher haben nun herausgefunden, dass der Klimawandel schon um 1830 einsetzte – mit Beginn der industriellen Revolution.

Eisbär auf kleinen Eisscholle (Foto: picture-alliance/H. Bäsemann).

Zum ersten Mal seien Klimaarchive vom Land und aus den Ozeanen von der Nord- und Südhemisphäre gleichzeitig analysiert worden, so Jens Zinke, Paläontologe an der Freien Universität Berlin und Ko-Autor der international durchgeführten Studie.

Die Forscher aus Australien, den USA, Europa und Asien untersuchten Daten von tropischen Korallen, Sedimentkernen, Stalagmiten, Baumringen und Eiskernen und glichen diese mit Modellen der Klimaentwicklung von mehreren Tausend Jahren ab.

Klima reagiert auf Beginn der industriellen Revolution

„Die Untersuchungen zeigen, dass schon die frühe Erderwärmung in Zusammenhang mit der steigenden Konzentration von Treibhausgasen als Folge der industriellen Revolution steht“, sagt Zinke. Zu Beginn der industriellen Revolution sei noch eine vergleichsweise geringe Menge von Treibhausgasen ausgestoßen worden, die aber dennoch nachweislich zum Einsetzen der Erderwärmung beigetragen habe.

Gezeichnetes Bild einer Fabrikhalle in Manchester zur Zeit der Industriellen Revolution (Foto: Ullstein).Eine Fabrikhalle in Manchester im Jahr 1832 – das Klima reagierte bereits auf den im Vergleich zu heute relativ geringen Anstieg der CO2-Emissionen

Nerilie Abram, Klimawissenschaftlerin an der Australian National University in Canberra und leitende Forscherin der Studie, sprach von einer „außergewöhnlichen Erkenntnis“. Bei dem menschengemachten Klimawandel sei allgemein von einem Phänomen des 20. Jahrhunderts gesprochen worden, weil es kaum direkte Messungen des Klimas vor 1900 gibt.

Für Helen McGregor, Ko-Autorin und Wissenschaftlerin an der University of Wollongong, deutet der frühe Beginn der Erwärmung daraufhin, dass das Klima der Erde sehr schnell reagiert habe – und das schon bei einem kleinen Anstieg von CO2-Emissionen zu Anfang des industriellen Zeitalters.

Arktis und Tropische Ozeane am frühesten betroffen

Laut der Studie hat die Erwärmung in den 1830er Jahren zuerst in der Arktis und in den tropischen Ozeanen begonnen. „In der nördlichen Hemisphäre ist vor allem die Arktis sehr sensitiv für Klimaveränderungen“, erzählt Jens Zinke der DW.

Die Erwärmung großer Teile der Südhemisphäre erfolgte den Daten zufolge jedoch erst bis zu 50 Jahre später. Dies führen die Wissenschaftler auf regionale Unterschiede der Ozeanströmungen zurück. So werden warme Wassermassen auf natürliche Weise nach Norden – weg von der Antarktis – transportiert.

„Die Stärke dieser Studie liegt darin, dass wir Daten für einzelne Regionen der Welt haben. Wir haben genaue Daten – zum Beispiel an Orten, wo tropische Korallen vorkommen – um sagen zu können, wann dort die Erwärmung eingesetzt hat“, sagt Zinke. Man könne die Daten demnach auch nach regionalen Klimaveränderungen hin untersuchen.

Wissenschaftler entnimmt einer tropischen Koralle eine Probe unter Wasser (Foto: AIMS/Eric Matson).Wichtige Erkenntnisse über das Klima der letzten 400 Jahre: Ein Forscher entnimmt einer tropischen Koralle eine Probe

Tropische Korallen als Klimaarchiv

Zinke untersuchte tropische Korallen aus dem Indischen Ozean, der Karibik und aus dem Indonesischen Archipel: „Tropische Korallen wachsen bis zu 400 Jahre kontinuierlich. Durch ihr schnelles Wachstum von ein bis zwei Zentimetern pro Jahr kann man sie Monat für Monat über viele Dekaden und Jahrhunderte hinweg analysieren.“

Ähnlich wie bei Bäumen hätten auch Korallen jährliche Wachstumsringe. Um Daten zu erhalten, die auf einen Monat genau sind, kommen Zahnarztbohrer zum Einsatz, mit deren Hilfe jeden Millimeter Proben von den Korallen entnommen werden können, erklärt Zinke gegenüber der DW.

Der Analyse der Klimaarchive und der Klimamodelle zufolge muss nun mindestens 180 Jahre zurückgeblickt werden, um die Erwärmung unseres Planeten und seine Ursachen zu erfassen. Das hat Einfluss auf Vorhersagen über den zukünftigen Klimawandel: „Um bessere Aussagen treffen zu können, müssen Studien nun noch das 19. Jahrhundert in Betracht ziehen“, so Zinke.

http://www.dw.com/de/klimawandel-begann-schon-vor-180-jahren/a-19496872

 

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