Mutmaßlicher Rädelsführer der Gruppe Freital bekennt sich zu Gewalt-Anschlägen: Er habe die Sprengsätze sowohl in Freital in zwei Asylbewerberunterkünften selbst gezündet, als auch am Auto eines Linkenpolitikers sowie an einem alternativen Wohnprojekt in Dresden. Die Anwältin der Nebenklage, Kati Lang, äußert sich empört über die Einlassung von Patrick F.. Er scheine die Botschaft vermitteln zu wollen, dass es legitim sei, gegen Asylbewerber mit Gewalt vorzugehen. „Die Einlassungen des Angeklagten waren geprägt von einer absoluten Kaltblütigkeit. Obwohl eines der Opfer in Saal war, hat er kein Wort der Entschuldigung an die Geschädigten gerichtet.“ Der sächsische Verfassungsschutz hatte Kontakt zur mutmaßlich rechtsterroristischen „Gruppe Freital“. Das bestätigten mehrere Landtagsabgeordnete nach einer Sondersitzung des Rechtsausschusses.

Terrorprozess gegen „Gruppe Freital
Mutmaßlicher Rädelsführer packt aus

Ein Angeklagter kommt in der Justizvollzugsanstalt in Dresden zu Prozessbeginn in den Verhandlungssaal
Patrick F. hat sich selbst schwer belastetBildrechte: dpa

Sein Motiv für die spontane Tat sei Ärger über angebliche Drogengeschäfte der Asylbewerber gewesen. In der Anklage war die Bundesanwaltschaft von einem bisher nicht identifizierten Mittäter ausgegangen. Bei dem Anschlag war erheblicher Sachschaden entstanden. Die acht Bewohner der Unterkunft blieben laut Generalbundesanwalt trotz umherfliegender Splitter nur deshalb unverletzt, weil sie bereits schliefen – und sich niemand von ihnen in der Küche aufhielt.

„Kopf“ und „Sprengmeister“ der Anschläge?

Er sei einer der Ideen-Geber für die Anschlagsziele gewesen, räumte der Angeklagte weiter ein. Und er bestätigte die Ermittlungen der Bundesanwaltschaft, dass er für die Beschaffung der verbotenen Böller in Tschechien und den Bau der Sprengkörper verantwortlich gewesen ist. Er habe die Sprengsätze sowohl in Freital in zwei Asylbewerberunterkünften selbst gezündet, als auch am Auto eines Linkenpolitikers sowie an einem alternativen Wohnprojekt in Dresden. Eine Tötungsabsicht bestritt F.. Doch er blieb in der Begründung für die Angriffe vage. „Von der Antifa geht eine potenzielle Gefahr aus“, sagte er.

Angeklagter zeigt keine Reue

Als Grund für seine Aussage zum jetzigen Zeitpunkt sagte Patrick F., er wolle die Last nicht länger mit sich „rumtragen“. Er werde am Donnerstag 26 Jahre alt und verbringe nun schon den zweiten Geburtstag im Gefängnis. Doch glaubwürdiges Bedauern über die Taten war von ihm nicht zu hören. Er beschrieb nüchtern über eine Stunde lang, wie es zu den Taten kam: Wer hat was geplant und wer war wo beteiligt. Auch die Verbindungen zu den Neonazis von der „Freien Kameradschaft Dresden“ zeigte er auf.

Die Anwältin der Nebenklage, Kati Lang, äußerte sich im Gespräch mit MDR SACHSEN empört über die Einlassung von Patrick F.. Er scheine die Botschaft vermitteln zu wollen, dass es legitim sei, gegen Asylbewerber mit Gewalt vorzugehen.

Die Einlassungen des Angeklagten waren geprägt von einer absoluten Kaltblütigkeit. Obwohl eines der Opfer in Saal war, hat er kein Wort der Entschuldigung an die Geschädigten gerichtet.

Kati Lang Anwältin der Nebenklage

Bislang hatte sich nur der jüngste Angeklagte, der 19 Jahre alte Justin S., vor Gericht zu den Vorwürfen eingelassen und dabei auch die anderen Mitbeschuldigten belastet. Am Dienstag kommender Woche geht die Befragung des Angeklagten Patrick F. weiter. Er will dann auch – entgegen ersten Ankündigungen – auf Fragen der Bundesanwaltschaft antworten.

http://www.mdr.de/sachsen/dresden/prozess-gruppe-freital-gestaendniss-raedelsfuehrer-100.html

„Eingeräumter Fakt“

Verfassungsschutz hatte Kontakt zur „Gruppe Freital“

Schäden an einer Flüchtlingsunterkunft in Freital nach einem Bölleranschlag.
Bildrechte: MDR/Roland Halkasch

Der sächsische Verfassungsschutz hatte Kontakt zur mutmaßlich rechtsterroristischen „Gruppe Freital“. Das bestätigten mehrere Landtagsabgeordnete MDR SACHSEN nach einer Sondersitzung des Rechtsausschusses. Die Staatsregierung hatte in der Sitzung einen Bericht des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ zurückgewiesen, nach dem ein Informant des Verfassungsschutzes in die mutmaßliche Terrorgruppe involviert war. Dass es einen Kontakt gab, sei jedoch ein „eingeräumter Fakt“, so Linken-Sprecher Klaus Bartl, der dem Ausschuss vorsitzt.

http://www.mdr.de/sachsen/sondersitzung-des-verfassungs-und-rechtsausschusses-zu-gruppe-freital-100.html

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