Der jüdische Israeli, Uri Avnery: „Ich liebe Marwan Barghouti“, den palästinensischen Politiker, der von Israel seit 15 Jahren gefangen gehalten wird und jetzt einen Hungerstreik begonnen hat, zusammen mit 1000 anderen Palästinensern für bessere Haftbedingungen. Avnery, der ihn schon vor Jahren als den Nelson Mandela der Palästinenser bezeichnete: „Ich hatte ihn in seiner bescheidenen Wohnung in Ramallah mehrfach besucht.Während unserer Gespräche, diskutierten wir über den israelisch-palästinensischen Frieden. Unsere Ideen waren dieselben: einen Staat Palästina neben dem Staat von Israel und einen Frieden zwischen den beiden Staaten zu schaffen, der sich auf die 1967 Grenzen (mit geringen Veränderungen) mit offenen Grenzen und Zusammenarbeit gründete.“ Marwan Barghouti erklärte vor einer Woche aus dem Gefängnis und in der New York Times, „warum wir im Hungerstreik in Israels Gefängnissen sind: Nachdem ich die letzten 15 Jahre in einem israelischen Gefängnis gewesen bin, bin ich Zeuge und Opfer eines israelischen illegalem Systems von willkürlichen Massenverhaftungen und Misshandlungen der palästinensischen Gefangenen. Nachdem wir alle anderen strapaziösen Optionen ausprobiert haben, entschied ich mich — da es keine andere Wahl für meinen Widerstand gegen die Misshandlungen gibt — nun auch in den Hungerstrike zu treten. Etwa 1000 palästinensische Gefangene haben sich entschieden, an diesem Hungerstreik teilzunehmen, der heute, am Tag der Gefangenen, beginnt. Hunger streik ist die friedlichste Form des gültigen Widerstandes. Es fügt nur denen Schmerz zu, die sich daran beteiligen, und ihren Familienangehörigen, in der Hoffnung, dass ihre leeren Mägen und ihr Opfer ihnen hilft, dass die Botschaft jenseits ihrer dunklen Zellen widerhallt. Israel, die Besatzungsmacht, hat das Internationale Gesetz in vielfacher Weise nahezu seit 70 Jahren verletzt und wurde für seine Handlungen trotzdem international straflos gelassen. Es hat schwere Verletzungen der Genfer Konventionen gegen das palästinensische Volk begangen; die Gefangenen, einschließlich Männer, Frauen und Kinder sind keine Ausnahme.“ Uri Avnery: „Ich warte auf den Tag, an dem ich Marwan wieder als freien Menschen in seiner Wohnung besuchen kann. Oder noch besser, wenn Ramallah in dieser Zeit eine Stadt im freien Staat Palästina sein wird. Ich habe gerade eine Petition für seine Entlassung unterschrieben.“

Palästinas Nelson Mandela


Uri Avnery, 19.4. 2017

ICH MUSS etwas bekennen. Ich liebe Marwan Barghouti.

Ich hab ihn in seiner bescheidenen Wohnung in Ramallah mehrfach besucht. Während unserer Gespräche, diskutierten wir über den israelisch-palästinensischen Frieden. Unsere Ideen waren dieselben: einen Staat Palästina neben dem Staat von Israel und einen Frieden zwischen den beiden Staaten zu schaffen, der sich auf die 1967 Grenzen (mit geringen Veränderungen) mit offenen Grenzen und Zusammenarbeit gründete.

Dies war kein geheimes Abkommen: Barghouti hat diesen Vorschlag viele Male wiederholt – im Gefängnis und außerhalb.

Ich mochte auch seine Frau Fadwa, die als Anwältin ausgebildet war, die aber ihre Zeit dem Kampf um die Entlassung ihres Mannes verbrachte. Bei dem gedrängtvollen Begräbnis von Yasser Arafat stand ich zufällig neben ihr und sah ihr tränen-bedecktes Gesicht.

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In dieser Woche begann Barghouti zusammen mit über tausend anderen palästinensischen Gefangenen in Israel einen unbegrenzten Hungerstreik. Ich habe gerade eine Petition für seine Entlassung unterschrieben.

Marwan-Barghouti1Er erklärt in einem Aufruf, warum über 1000 palästinensische Gefangene einen Hungerstreik begonnen haben. Er ist weiter unten, unter dem Text von Uri Avnery zu lesen.

MARWAN BARGHOUTI ist ein geborener Führer. Trotz seiner geringen physischen Größe, fällt er in jeder Versammlung auf. Innerhalb der Fatah-Bewegung wurde er der Führer der jugendlichen Abteilung. ( Das Wort „Fatah besteht aus den Initialen der Palästinensischen Befreiungsbewegung, rückwärts)

Die Barghoutis sind eine weit verbreitete Familie. Die in mehreren Dörfern, nahe Ramallah dominieren. Marwan selbst wurde 1959 im Dorf Konar geboren. Ein Vorfahre Abd-al-Jabir al-Barghouti führte 1834. eine arabische Revolte. Ich habe Mustafa Barghouti, einen Aktivisten der Demokratie, in vielen Demonstrationen getroffen und teilte mit ihm das Tränengas. Omar Barghouti ist ein Führer der internationalen Anti-Israel-Boykott-Bewegung.

Vielleicht hängt meine Sympathie für Marwan damit zusammen, dass wir in unserer Jugend von einigen Ähnlichkeiten (Ähnliches erlebten) beeinflusst waren. Er schloss sich mit 15 der palästinensischen Widerstandsbewegung an – im selben Alter, in dem ich mich – 35 Jahre früher – der hebräischen Untergrund-Bewegung anschloss. Meine Freunde und ich betrachteten uns selbst als Freiheitskämpfer, wurden aber von den britischen Behörden als „Terroristen“ bezeichnet. Dasselbe geschieht jetzt mit Marwan einem Freiheitskämpfer in seinen eigenen Augen (nach ihm selbst) und in den Augen der israelischen Behörden geschehen

Als er im Tel Aviver Distrikt-Gericht vor Gericht stand, versuchten meine Freunde und ich, Mitglieder der israelischen Friedensbewegung Gush Shalom (Friedensblock), aus Solidarität mit ihm im Gerichtssaal zu demonstrieren. Wir wurden von bewaffneten Wächtern vertrieben/ rausgeschmissen. Einer meiner Freunde verlor bei diesem glorreichen Kampf einen Zehennagel.

Vor Jahren nannte ich Barghouti den „palästinensischen Mandela“. Abgesehen von ihrem Unterschied an Größe und Hautfarbe, gab es eine wesentliche Ähnlichkeit zwischen den Beiden: beide waren Männer des Friedens, aber rechtfertigten die Anwendung von Gewalt gegen ihre Unterdrücker. Doch das Apartheid-Regime war mit einer lebenslangen Gefängnisstrafe zufrieden. Barghouti wurde zu einer lächerlichen Strafe verurteilt: fünfmal lebenslang plus weitere 40 Jahre für Gewaltakte, die von seiner Tanzim-Organisation ausgeführt wurden.

(Gush Shalom veröffentlichte in dieser Woche eine Erklärung, die behauptete, dass nach derselben Logik Menachem Begin für den Anschlag aufs King-David-Hotel, – bei dem 91 Leute getötet wurden, viele waren Juden – von den Briten 91 mal lebenslänglich verurteilt werden sollte.

Es gibt noch eine andere Ähnlichkeit zwischen Mandela und Marwan: als das Apartheid-Regime von einer Kombination von „Terroristen“ mit gewaltsamen Streiks und einem weltweiten Boykott zerstört wurde. Mandela tauchte als der natürliche Führer des neuen Süd-Afrika auf. Viele Leute erwarten, dass wenn ein palästinensischer Staat errichtet wird, wird Barghouti nach Mahmoud Abbas sein Präsident.

In seiner Persönlichkeit gibt es etwas, das Vertrauen weckt und ihn in einen natürlichen Schlichter von internen Konflikten verwandelt. Hamas-Leute, die die Opponenten der Fatah sind, neigen dazu, Marwan zuzuhören. Er ist der ideale Friedenstifter zwischen den beiden Bewegungen.

Vor einigen Jahren gehörte eine große Anzahl von Gefangenen zu den beiden Organisationen, die eine gemeinsame Forderung um eine nationale Einheit, die konkrete Bedingungen festlegte, unterzeichneten. Sie hatten keinen Erfolg.

Übrigens mag das ein zusätzlicher Grund für die israelische Regierung sein, jeden Vorschlag abzulehnen, Barghouti frei zu lassen, auch dann, wenn es einen Gefangenen-Austausch bei einer günstigen Gelegenheit gibt. Ein freier Barghouti könnte ein mächtiger Agent für die palästinensische Einheit werden, das letzte, nach dem israelische Oberherren schauen.

Divide and impera – „teile und herrsche“ ist seit römischen Zeiten ein führendes Prinzip von jedem Regime gewesen, das ein anderes Volk unterdrückt. Darin sind israelische Behörden unglaublich erfolgreich gewesen. Die politische Geographie lieferte einen idealen Rahmen. Das Westufer (westbank) des Jordan ist vom Gaza-Streifen durch etwa 50 km vom israelischen Gebiet abgeschnitten.

Hamas erhielt durch Wahlen und Gewalt den Gazastreifen und weigerte sich, die Führung der PLO zu akzeptieren, eine Union mit der säkulareren Organisation, die die Westbank beherrscht.

Dies ist keine ungewöhnliche Situation bei nationalen Befreiungsorganisationen. Gewöhnlich sind sie in mehr oder weniger extremen Flügeln getrennt – zum großen Entzücken der Unterdrücker. Es ist das Letzte, das israelische Behörden zu tun bereit wären: Barghouti frei zu lassen und ihm erlauben, die palästinensische nationale Einheit herzustellen – um Himmels Willen, nein!.

DIE HUNGERSTREIKER verlangen nicht die Entlassung, sondern fordern bessere Gefängnisbedingungen. Sie fordern – unter anderem – häufigere und längere Besuche von ihren Frauen und Familien, ein Ende der Folter, besseres Essen und ähnliches. Sie erinnern uns auch, dass es nach inter-nationalem Gesetz einer „Besatzungsmacht“ verboten ist, die Gefangenen aus dem besetzten Gebiet in das Gebiet des Besatzers zu bringen. Genau dies geschieht gegenüber fast allen palästinensischen „Sicherheitsgefangenen“.

Letzte Woche verlangte Barghouti genau dies in einem Op-ad-Artikel, in der New-York-Times, einem Akt, der die freundliche/ bessere Seite der Zeitung zeigt. Die redaktionelle Bemerkung beschreibt den Autor als einen palästinensischen Politiker und Mitglied des Parlaments. Es war ein mutiger Akt der Zeitung (die irgendwie in meinen Augen ihre Haltung wieder herstellen wollte, nachdem sie Bashar al-Assad verurteilte, dass er Giftgas verwendete, ohne dass es den leisesten Beweis gab.

Aber Mut hat seine Grenzen. Am genau nächsten Tag veröffentlichte die NYT eine Bemerkung, dass Barghouti wegen Mordes überführt wurde. Es war eine niederträchtige Kapitulation auf zionistischen Druck hin.

Der Mann, der diesen Sieg beanspruchte, war ein Individuum/ eine Person, das/die ich besonders unausstehlich finde. Er nennt sich selbst Michael Oren und ist jetzt ein vertretender Minister in Israel, war aber in den USA geboren und gehört zu einer Untergruppe amerikanischer Juden, die super-super Patrioten von Israel sind. Er nahm gleich die israelische Staatsangehörigkeit an und einen israelischen Namen, um als Israels Botschafter in den USA zu dienen. In dieser Funktion hat er Aufmerksamkeit geweckt, in dem er besonders bösartige anti-arabische Rhetorik anwand, so extrem, dass sogar Benjamin Netanjahu im Vergleich mit ihm moderat erschien.

Ich zweifle, dass diese Person jemals etwas für seinen Patriotismus geopfert hat. Tatsächlich hat er damit eine Karriere gemacht. Doch spricht er mit Verachtung über Barghouti, der fast sein ganzes Leben im Gefängnis oder Exil verbracht hat. Er beschreibt den Barghouti-Artikel in der NYT als einen journalistischen Terrorakt. Sieh, wer spricht.

EIN HUNGERstreik ist ein sehr mutiger Akt. Es ist die letzte Waffe der am wenigsten geschützten Menschen auf Erden – die Gefangenen. Die grässliche Margaret Thatcher ließ die irischen Hungerstreiker vor Hunger sterben.

Die israelischen Behörden wollten die palästinensischen Hungerstreiker unter Zwang füttern. Die israelische Ärzte- Vereinigung, sehr zu ihrer Ehre, weigerte sich, hier mitzuarbeiten, da solche Akte in der Vergangenheit zum Tode der Opfer führte. Das führte zu einem Ende dieser Art von Folter.

Barghouti forderte, dass palästinensische politische Gefangene wie Kriegsgefangene behandelt werden. Keine Chance.

Doch sollte man verlangen, dass jede Art von Gefangenen menschlich behandelt wird. Das bedeutet, dass der Entzug der Freiheit die einzige Strafe ist und dass innerhalb der Gefängnisse das Maximum von annehmbaren Bedingungen zugestanden werden sollte.

In einigen israelischen Gefängnissen scheint eine Art modus vivendi zwischen den Gefängnisbehörden und den palästinensischen Gefangenen gewesen zu sein. In den anderen Gefängnissen hat man den Eindruck, dass der Gefängnisdienst/die Wärter der Feind der Gefangenen war, der ihnen das Leben so miserabel wie möglich machte. Das ist jetzt als Antwort auf den Hungerstreik noch schlimmer geworden.

Diese Politik ist grausam, illegal und contra-produktiv. Es gibt keinen Weg, um einen Hungerstreik zu gewinnen. Die Gefangenen müssen gewinnen, besonders wenn anständige Leute in aller Welt dies beobachten, Vielleicht sogar die NYT.

Ich warte auf den Tag, an dem ich Marwan wieder als freien Menschen in seiner Wohnung besuchen kann. Oder noch besser, wenn Ramallah in dieser Zeit eine Stadt im freien Staat Palästina sein wird.

(dt. Ellen Rohlfs, vom Verfasser …)

http://www.uri-avnery.de/news/417/17/Palaestinas-Nelson-Mandela

Warum sind wir im Hungerstreik in Israels Gefängnissen ?

Marwan Barghouti, 16. April 2017, Hadarim-Gefängnis, Israel.

Nachdem ich  die letzten 15 Jahre in einem israelischen Gefängnis gewesen bin, bin ich Zeuge und Opfer eines  israelischen illegalem Systems von willkürlichen Massenverhaftungen und  Misshandlungen der palästinensischen Gefangenen. Nachdem wir alle anderen strapaziösen  Optionen  ausprobiert haben, entschied ich mich — da es keine andere Wahl  für meinen  Widerstand gegen die Misshandlungen gibt —    nun auch in den Hungerstrike  zu treten.

Etwa 1000 palästinensische  Gefangene haben sich entschieden, an diesem Hungerstreik teilzunehmen, der heute, am Tag der Gefangenen,  beginnt. Hunger streik ist die friedlichste Form des gültigen Widerstandes.  Es fügt nur denen  Schmerz zu, die sich daran beteiligen, und ihren  Familienangehörigen, in der Hoffnung, dass ihre leeren Mägen und ihr Opfer ihnen hilft, dass  die Botschaft jenseits ihrer dunklen Zellen widerhallt.

Jahrzehnte der Erfahrung haben bewiesen, dass Israels unmenschliches System der kolonialen und militärischen Besatzung dahin  zielt, den Geist  der Gefangenen und des Volkes, zu dem sie gehören,  zu brechen, indem sie ihrem Körper Leiden und Schaden  zufügen, sie von ihren Familien  und Gemeinden trennen, demütigende Maßnahmen zufügen und so zur Unterwerfung zwingen. Trotz solcher Behandlung, werden wir nicht aufgeben.

Israel, die Besatzungsmacht, hat das Internationale Gesetz in vielfacher Weise nahezu seit 70 Jahren verletzt und  wurde für seine Handlungen  trotzdem international  straflos gelassen. Es hat schwere Verletzungen der Genfer Konventionen  gegen das palästinensische Volk begangen; die Gefangenen, einschließlich Männer, Frauen und Kinder sind keine Ausnahme.

Ich war erst 15, als ich das erste Mal im Gefängnis war.  Ich war fast 18, als mich der israelische Verhörende    zwang,  im Verhörraum nackt  die Beine zu spreizen, um meine Genitalien zu schlagen. Ich  wurde vor Schmerzen ohnmächtig , und behielt  von diesem Fall eine bleibende Narbe auf meiner Stirn. Der Verhörende machte sich dann über mich lustig und sagte, ich könne nun nicht mehr  zeugen, weil Leute wie ich  nur Terroristen und Mörder zeugen würden.

Ein paar Jahre später war ich wieder im Gefängnis und führte einen Hungerstreik durch, als mein 1. Sohn geboren wurde. Statt wie üblich bei solchen Gelegenheiten  Süßigkeiten zu verteilen, verteilte ich Salz an die anderen Gefangenen. Als er kaum 18 war, wurde er verhaftet und war 4 Jahre in israelischen Gefängnissen.

Der Älteste meiner vier Kinder ist jetzt ein Mann von 31 Jahren. Doch  ich bin  immer noch hier und  verfolge diesen Kampf um Freiheit mit Tausenden von Gefangenen, Millionen von Palästinensern und der Unterstützung von so vielen in aller Welt. Wie ist es mit der Arroganz der Besatzer und Unterdrücker und ihrer Unterstützer, das sie für diese einfache Wahrheit  taub werden lässt: Unsere Ketten werden zerbrochen sein, bevor wir (frei) sind, weil es zur menschlichen Natur gehört, den Ruf nach Freiheit zu  beachten,  ohne Rücksicht  auf die Kosten.

Israel hat fast alle seine Gefängnisse innerhalb Israels gebaut, und nicht in den besetzten Gebieten. Indem   dies ungesetzlich tat, zwang es  palästinensische Zivilisten in die Gefangenschaft  und hat so eine Situation geschaffen, um  die Besuche von Familienangehörigen schwierig zu machen und das Leiden der Gefangenen zu erhöhen.  Dies veränderte  Grundrecht, das das Internationale Gesetz  garantieren sollte   wurde  zu Privilegien des  Gefängnispersonals, das  Besuche  gewährte oder  nicht gewährte.

Palästinensische Gefangene und Verhaftete  hatten unter Folter und unmenschlicher, demütigender Behandlung und  medizinischer Vernachlässigung  zu leiden. Einige sind während der Haft getötet worden. Nach der letzten Zählung durch  den palästinensischen Gefangenen –Club sind  etwa 200 palästinensische Gefangene seit 1967 auf Grund solcher Behandlungen gestorben. Die palästinensischen Gefangenen und ihre Familien bleiben auch ein erstes Ziel von Israels Politik der kollektiven Bestrafung. Durch unsern Hungerstreik  versuchen wir solche Misshandlungen zu beenden.

Während der letzten fünf Dekaden sind nach der Menschenrechts gruppe  Addamer mehr als 800 000 Palästinenser in Gefangenschaft  gewesen oder verhaftet worden – das sind über 40% der männlichen palästinensischen  Bevölkerung.  Heute sind über 6500 noch im Gefängnis, einige von ihnen haben die erbärmliche Auszeichnung :Weltrekorde über die längsten Haftzeiten von politischen Gefangenen zu haben. Es gibt kaum eine Familie in Palästina, die nicht einen oder mehrere Gefangene hatte.

Wie soll man über diese unglaubliche Situation berichten?

Israel hat ein duales Rechtssystem, eine Art juristischer Apartheid, die virtuelle Straflosigkeit für Israelis, die  Verbrechen gegen die Palästinenser  begehen, während  palästinensische  Präsenz und Widerstand kriminalisiert wird.  Israels Gerichte sind  Scharaden der Justiz, klare Instrumente der kolonialen, militärischen Besatzung. Nach dem Außenministerium ist die Verurteilungsrate  für Palästinenser  in einem  Militärgericht fast 90 %.

Unter den  Hunderten  von Tausenden von   Palästinensern, die Israel  gefangen nahm sind Kinder, Frauen, Parlamentarier, Aktivisten, Journalisten, Menschenrechts-Verteidiger, Akademiker, politische Figuren, militante, Zuschauer  , Familienmitglieder  von Gefangenen. Und all dies mit dem Ziel: die legitimen  Hoffnungen  einer ganze Nation zu zerstören.

Stattdessen sind Israels Gefängnisse die Wiege einer dauernden Bewegung für palästinensische  Selbstbestimmung  geworden. Dieser neue Hungerstreik wird noch einmal demonstrieren , dass die Gefangenen-Bewegung der Kompass ist , der unsern Kampf führt, den „Kampf für Freiheit und Würde“,  der Name, den wir für diesen neuen Schritt in unserm langen Weg zur Freiheit gewählt haben.

Die israelischen Behörden und das Gefängnis personal hat die Grundrechte verwandelt, die unter  internationalem Gesetz garantiert werden sollten – einschließlich jener schmerzvoll abgesicherten  früheren Hungerstreiks in Privilegien, die entscheiden, uns zu gewähren oder zu berauben. Israel hat versucht, uns  alle als Terroristen zu bezeichnen, um seine  Gewalt zu legitimieren, einschließlich  Massen Verhaftungen, Folter, Strafmaßnahmen,  und schwere Einschränkungen.  Als Teil Israelischer Bemühungen, den palästinensischen Kampf  für Freiheit zu untergraben,  verurteilte Israels Gericht mich zu fünf Mal lebenslänglich plus 40 Jahre im Gefängnis als politischen Schau-Prozess, der  von internationalen Beobachtern  verurteilt wurde.

Israel ist nicht  die erste Besatzungs- und Kolonialmacht, die zu solchen Expedienten greift. Jede nationale Befreiungsbewegung in der Geschichte kann sich solcher  und ähnlicher Praktika  entsinnen. Das ist es, warum so viele Leute, die gegen Unterdrückung,  Kolonialismus und Apartheid kämpfen  mit uns sind. Die Internationale Kampagne, um Marwan Barghouti und alle palästinensischen Gefangenen, wie die anti-Apartheids-Ikone  Achmed Kathrada und meine Frau Fadwa 2013 wurden von Nelson Mandela früherer  Gefängniszelle  auf Robben Island feierlich  eingeweiht und hat  die Unterstützung von 8 Nobelpreisträgern  erhalten , 120 Regierungen und Hunderte von Führern, Parlamentariern, Künstlern, Akademikern in aller Welt erhalten.

Ihre Solidarität entlarvt Israels Moral und politische s Fehlverhalten. Rechte sind nicht von einem Unterdrücker gewährt worden. Freiheit und Würde sind universale  Rechte, die der Menschheit angeboren sind, damit  sich jede Nation und  alle Menschen daran erfreuen können. Die Palästinenser  wollen keine Ausnahme sein. Allein das Ende der Besatzung  wird die Ungerechtigkeit beenden und  die Geburt des Friedens markieren.

Marwan Barghouti ist ein palästinensischer Führer und Parlamentarier.

Eine Version  dieser Kolumne erschien am 17. April 2017 gedruckt auf Seite A1 in der Internationalen New York-Times.

(dt. Ellen Rohlfs)

http://www.palaestina-portal.eu/Stimmen_Palaestina/barghouti_mustafa_Warum_sind_wir_im_%20Hungerstreik.htm

Marwan Barghuthi

Marwan Barghuthi (um 2000)

Marwan Barghuthi (arabisch مروان البرغوثي, DMG Marwān al-Barġūṯī, palästinensisch-arabisch: Marwān il-Barghūthi, häufig Barghuti oder Barghouti geschrieben; * 6. Juni1959 in Kobar bei Ramallah) ist ein palästinensischer Politiker. Derzeit verbüßt er in Israel eine fünffache lebenslange Freiheitsstrafe

Als Kommandeur der Tanzim-Miliz im Westjordanland zählte er dann auch zu den Anführern der Zweiten Intifada. Er forderte ein Ende der Besetzung des Westjordanlandes und des Gazastreifens durch Israel und billigte zu diesem Zweck auch das Vorgehen der militanten al-Aqsa-Märtyrer-Brigaden.[3] Mehrmals führte Barghuthi Demonstrationsmärsche zu israelischen Checkpoints an, die teils gewaltvoll eskalierten.[2] Israel beschuldigte Barghuthi mehrmals, Mitglied der Al-Aqsa-Brigaden zu sein, was dieser abstritt. Auch lehne er Gewalttaten gegen israelische Zivilisten, wie von den Al-Aqsa-Brigaden begangen, ab. Jedoch riefen ebenjene Brigaden ihn 2002 zu ihrem Anführer aus.[2]

Verhaftung und Prozess[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen der Operation Defensive Shield verhaftete ihn die Armee nach längerer Suche am 15. April 2002 in Ramallah. Er wurde nach Israel gebracht und einen Monat lang in Einzelhaft gehalten, ohne Rechtsbeistand verhört und dabei – nach eigenen Angaben – gefoltert (Schlafentzug, schmerzhafte Fesselungen (Shabeh), Todesdrohungen). Erst danach durfte er Besuch von seiner Frau und seinem Anwalt erhalten.

Wegen des international Aufsehen erregenden Falles beschloss die Anklage, das Verfahren wegen der Verwicklung in tödliche Terroranschläge nicht vor einem eigentlich für Palästinenser zuständigen Militärgericht, sondern vor dem zivilen Bezirksgericht Tel Aviv zu verhandeln, weil Militärgerichte abseits der Öffentlichkeit verhandeln.[4] Dieses Vorgehen war problematisch, da die 4. Genfer Konvention Prozesse außerhalb der besetzten Gebiete verbietet. Daher bekämpfte Barghuthi diese Entscheidung mit Hilfe mehrerer Anwälte und berief sich auch auf seinen Diplomatenstatus und die Tatsache, dass er aus der Jurisdiktion der Palästinensischen Autonomiebehörde verbracht worden war. Nachdem dieser Beschwerde am 19. Januar 2003 nicht stattgegeben worden war, zog er seine Verteidiger zurück und beschloss, den Prozess zu boykottieren.

Für den eigentlichen Prozess lehnte er auch den gestellten Pflichtverteidiger ab und verbot ihm, ihn zu vertreten. Er bestritt sowohl die Anklage als auch die Rechtmäßigkeit des Verfahrens und weigerte sich, den Gerichtshof als solchen anzuerkennen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Marwan_Barghuthi

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