Das sollte Thema im Bundestagswahlkampf werden: Bei der Lebenserwartung ist die Kluft zwischen Arm und Reich in den vergangenen Jahren gewachsen. Reiche Männer leben elf Jahre länger – so das Ergebnis einer Studie des Robert-Koch-Instituts. Männer aus der reichsten Gruppe leben durchschnittlich rund elf Jahre länger als Männer aus der ärmsten Gruppe. Bei Frauen beträgt der Unterschied immerhin noch acht Jahre. Die Lebenserwartung in Deutschland steigt seit Jahren. Profitieren können alle Bürger von diesem Anstieg – aber nicht gleichermaßen: Im Jahr 2008 etwa durften einkommensstarke 65-Jährige noch mit einer weiteren Lebenszeit von 20 Jahren rechnen. Ihren Altersgenossen mit sehr niedrigen Renten dagegen blieben nicht einmal mehr 15 Jahre. Das ermittelte die Max-Planck-Gesellschaft.

Hier können Sie den Öffnet externen Link in neuem FensterArmutsbericht 2017 downloaden.

Die Armutsberichte der vergangenen Jahre finden Sie hier:

http://www.der-paritaetische.de/schwerpunkte/armutsbericht/download-armutsbericht/

Robert Koch Institut:

„Die Differenz zwischen der niedrigsten und höchsten Einkommensgruppe beträgt, legt man die mit den SOEP-Daten ermittelten Mortalitätsunterschiede zugrunde, bei Frauen 8,4 Jahre und bei Männern 10,8 Jahre. Betrachtet man nur die gesunde Lebenserwartung, d. h. die Lebensjahre, die in sehr gutem oder gutem allgemeinen Gesundheitszustand verbracht werden, macht der Unterschied zwischen der niedrigsten und höchsten Einkommensgruppe sogar 13,3 Jahre bei Frauen und 14,3 Jahre bei Männern aus (Lampert et al. 2007, siehe auch Reil-Held 2000, Klein, Unger 2002). Auch in der ferneren Lebenserwartung zeichnen sich die Unterschiede zwischen den Einkommensgruppen deutlich ab. Nach einer Studie von Kroh und Kollegen (2012), die ebenfalls Daten des SOEP nutzten, beträgt die Differenz zwischen der niedrigen und hohen Einkommensgruppe ab dem 65. Lebensjahr bei Frauen 3,5 Jahre und bei Männern 5,3 Jahre.

Kernaussagen ▶ Ein niedriger sozioökonmischer Status geht mit einem erhöhten Mortalitätsrisiko und einer verringerten Lebenserwartung einher. ▶ Noch in der ferneren Lebenserwartung ab dem 65. Lebensjahr zeichnen sich Unterschiede zuungunsten von Frauen und Männern mit niedrigem sozio- ökonomischen Status ab. ▶ Frauen und Männer aus den höheren Statusgruppen leben nicht nur länger, sie können auch mehr Lebensjahre in guter Gesundheit verbringen. ▶ Regionale Unterschiede in der Lebenserwartung sind in engem Zusammenhang mit den Lebensbedingungen in den Regionen zu sehen. ▶ In fast allen europäischen Ländern sind soziale Unterschiede in der Mortalität und Lebenserwartung zu beobachten. ▶ Für einzelne Länder wird berichtet, dass sich die sozialen Unterschiede in der Mortalität und Lebenserwartung in den letzten Jahrzehnten ausgeweitet haben.

Soziale Unterschiede in der Mortalität und Lebenserwartung In den letzten 20 bis 30 Jahren haben zahlreiche Studien gezeigt, dass in Deutschland wie in den meisten anderen Wohlfahrtsstaaten ein enger Zusammenhang zwischen der sozialen und gesundheitlichen Lage besteht. Viele Krankheiten, Beschwerden und Risikofaktoren kommen bei Personen mit niedrigem sozioökonomischen Status, gemessen zumeist über Angaben zu Einkommen, Bildung und Beruf, häufiger vor als bei Personen mit höherem sozioökonomischen Status. Dies gilt auch für schwerwiegende, chronische Gesundheitsprobleme, die oftmals mit Funktionseinschränkungen im Alltag und Auswirkungen auf die Lebensqualität verbunden sind (Mielck 2000, RKI 2005, Richter, Hurrelmann 2009). Die sozial ungleiche Verteilung von Krankheiten, Beschwerden und Risikofaktoren wird nicht mehr nur unter dem Gesichtspunkt der daraus resultierenden Anforderungen an die Prävention, Gesundheitsförderung und medizinische Versorgung diskutiert (Gerlinger 2008, Rosenbrock, Kümpers 2009). Darüber hinaus spielt sie in der Diskussion über gesellschaftliche Solidarität und Chancengerechtigkeit sowie die entsprechende Ausgestaltung der sozialstaatlichen Sicherungssysteme eine wichtige Rolle. Besondere Aufmerksamkeit erfahren dabei Forschungsergebnisse, die auf eine erhöhte vorzeitige Sterblichkeit und eine geringere Lebenserwartung in den sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen hinweisen, da diese als extreme Ausprägungsformen sozialer Ungleichheit angesehen werden (Huster 2012). Erste Forschungsergebnisse zu sozialen Unterschieden in der Mortalität und Lebenserwartung wurden in Deutschland in den 1980er-Jahren veröffentlicht (Neumann, Liedermann 1981, Schepers, Wagner 1989). Die Zahl aussagekräftiger Studien ist aber bis heute überschaubar geblieben, was unter anderem der eingeschränkten Datenlage zuzuschreiben ist (Kroll, Lampert 2009, Wolf et al. 2012). So werden im Unterschied zu anderen Ländern in Deutschland auf den amtlichen Todesbescheinigungen keine Informationen zur sozioökonomischen Lage der Verstorbenen vermerkt, und auch ein bundesweites Sterberegister, dessen Informationen mit anderen amtlichen oder gesundheits- bzw. sozialwissenschaftlichen Datenquellen zusammengeführt werden könnten, existiert in Deutschland bis heute nicht. Empirische Zugänge, die in den letzten Jahren zunehmend genutzt werden, eröffnen sich über Mortalitäts-Follow-ups zu wissenschaftlichen Studien sowie über die Routinedaten der Sozialversicherungsträger. Im Folgenden werden die für Deutschland vorliegenden empirischen Ergebnisse zu sozialen Unterschieden in der Mortalität und Lebenserwartung zusammenfassend dargestellt. Neben Untersuchungen, die auf Vergleichen zwischen sozioökonomischen Statusgruppen basieren, werden dabei auch regionale Analysen, die Zusammenhänge zwischen sozioökonomischen Indikatoren und der Lebenserwartung auf Ebene der Bundesländer, der sogenannten Raumordnungsregionen (BBSR 2012) oder der Landkreise bzw. kreisfreien Städte…… weiter auf:

http://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsK/2014_2_soziale_unterschiede.pdf?__blob=publicationFile

Lebenserwartung:
Wer früher stirbt, war länger arm

Arme leben deutlich kürzer als Reiche. Sie ernähren sich oft schlechter, rauchen mehr und haben die schwereren Jobs. Die Kommunen könnten helfen, aber tun sich schwer.

http://www.zeit.de/wirtschaft/2016-03/lebenserwartung-armut-reichtum-deutschland/komplettansicht

Lebenserwartung
Sieben Gründe, warum Arme früher sterben

Sie essen das Falsche, bewegen sich nicht und haben wenige Freunde. Aber lebt deshalb derjenige kürzer, der weniger verdient?

17.12.2011, von PATRICK BERNAU

unterschiede-zwischen-arm-und

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/lebenserwartung-sieben-gruende-warum-arme-frueher-sterben-11567429.html

Arme sterben früher

Die Unterschiede zwischen den sozialen Schichten wachsen

Wer gut verdient hat und eine hohe Rente bezieht, hat auch eine höhere Lebenserwartung.

© steffne / photocase.com

(Der folgende Text basiert auf dem Artikel „Widening socioeconomic differences in mortality among men aged 65 years and older in Germany“ der MPIDR-Forscher Domantas Jasilionis und Vladimir Shkolnikov und ist mit kleineren Änderungen ebenfalls erschienen in der Ausgabe 03/2013 der vierteljährlichen Reihe Demografische Forschung aus Erster Hand.)

Die Lebenserwartung in Deutschland steigt seit Jahren. Profitieren können alle Bürger von diesem Anstieg – aber nicht gleichermaßen: Im Jahr 2008 etwa durften einkommensstarke 65-Jährige noch mit einer weiteren Lebenszeit von 20 Jahren rechnen. Ihren Altersgenossen mit sehr niedrigen Renten dagegen blieben nicht einmal mehr 15 Jahre.

Nimmt die Kluft zwischen Arm und Reich damit zu? Sinkt die Lebenserwartung sozial niedriger Schichten vielleicht sogar? Fragen, die immer wieder auftauchen und auf die es oft schnelle, nicht immer richtige Antworten gegeben hat. Eine Studie des Rostocker Max-Planck-Instituts für demografische Forschung (MPIDR) hat hierzu nun umfangreiche Daten der deutschen Rentenver-sicherung ausgewertet, die 86 Prozent der männlichen Bevölkerung erfassen. Vladimir Shkolnikov und Domantas Jasilionis vom MPIDR sowie Eva Kibele vom Zentrum für Bevölkerungsforschung an der Universität Groningen konnten in dieser Studie zeigen, dass die durchschnittliche Lebenserwartung zwar in allen Schichten steigt, bei Männern mit sehr niedrigen Renten aber wesentlich langsamer als bei besser gestellten Altersgenossen.

Tab. 1: Die Tabelle zeigt, wie hoch die Sterberate (pro 100.000 Menschen) in der jeweiligen Einkommensgruppe bzw. Beschäftigungsgruppe ist. Quelle: Eigene Berechnungen, Forschungsdatenzentrum der Rentenversicherung: FDZ-RV—SUFRTBNRTWF93-D8TDemoKibele
Bildergebnis für Lebenserwartung arm reich
Abb. 2: Bei der Lebenserwartung ist die Kluft zwischen Arm und Reich in den vergangenen Jahren gewachsen: Die Grafik zeigt, wie viele Jahre ein 65-Jähriger mit hohem Lebenseinkommen länger lebt als ein Ruheständ- ler mit sehr geringen Bezügen. Quelle: Eigene Berechnungen, Forschungsdatenzentrum der Rentenversicherung: FDZ-RV—SUFRTBNRTWF93-D8TDemoKibele
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