Der Kriegsherr und Kriegsgewinnler der Welt, die USA, blockiert die Friedensgespräche der Nachbarstaaten Afghanistans und afghanischer Vertreter in Moskau. Stattdessen zeigen sie ihre grausame Macht und werfen die brutalste nichtatomare Bombe. In Orwellscher Manier (Krieg als Frieden verkaufen) machen die Westmedien aus der brutalen Bombardierung „Mütterlichkeit“ (Mutter aller Bomben). Die elf Teilnehmerstaaten der Konferenz laden die Taliban ein, am Friedensprozess teilzunehmen! An der Expertenrunde in Moskau haben wie schon zuvor Vertreter aus Afghanistan, Indien, Pakistan, China, Iran und den fünf zentralasiatischen Ländern teilgenommen. Die USA kamen – trotz ausdrücklicher Einladung – nicht!

Aus NZZ:
Afghanistangespräche in Moskau
Das «Grosse Spiel» mit den Taliban
von Volker Pabst, Delhi14.4.2017, 19:23 Uhr
Moskau hält bereits zum dritten Mal internationale Friedensgespräche zu Afghanistan ab. Um Frieden in Afghanistan geht es dabei nur am Rande.
Unter Feuer: ein Posten der afghanischen Polizei in der Provinz Nangarhar nach einem Angriff der Taliban. (Bild: EPA)

Unter Feuer: ein Posten der afghanischen Polizei in der Provinz Nangarhar nach einem Angriff der Taliban. (Bild: EPA)

Auf den geostrategischen Schachbrettern der Weltpolitik stellt Afghanistan seit je ein wichtiges Feld dar. Selber am Zug ist das Land aber nur selten. Dies zeigt sich auch an den von Russland angestossenen Friedensgesprächen, die bereits zum dritten Mal in Moskau stattfinden. Zwar wurde die afghanische Regierung, anders als bei der ersten Gesprächsrunde Ende letzten Jahres, diesmal auch eingeladen. Die Agenda bestimmen aber andere. Denn internationale Afghanistanpolitik ist nationale Interessenpolitik par excellence.

Im neuen «Grossen Spiel», wie der geopolitische Konkurrenzkampf in Anlehnung an den britisch-russischen Wettlauf im 19. Jahrhundert genannt wird, sind alte Positionen und Allianzen in Bewegung geraten. Weitgehend unbemerkt von der internationalen Öffentlichkeit strebt Russland eine aktivere Rolle am Hindukusch an. Moskau setzt dabei in zunehmendem Masse auf die Taliban.

Russische Initiativen

Russische Kontakte zu den Aufständischen gibt es seit längerem, und sie werden unter dem Sonderbeauftragten für Afghanistan mit dem passenden Namen Samir Kabulow stetig ausgebaut. Das russische Aussenministerium streitet zwar Berichte über Waffenlieferungen ab, amerikanische Militärvertreter im Land halten diese aber für wahrscheinlich. Unbestritten ist, dass sich Russland zusammen mit China und Pakistan dafür einsetzt, dass Taliban-Vertreter von internationalen Sanktionslisten gestrichen werden.

Moskaus Politik ist einerseits beeinflusst vom Kampf gegen den Islamischen Staat (IS). Die zweitwichtigste Sprache im Terrornetzwerk ist Russisch, Kämpfer aus dem Kaukasus und Zentralasien stellen für Russland ein grosses Sicherheitsrisiko dar. Nachdem der IS im syrisch-irakischen Kernland immer stärker in Bedrängnis geraten ist, will man die Bildung eines Rückzugsgebiets am Hindukusch verhindern. Tatsächlich hat sich der IS in der ostafghanischen Region Nangarhar bereits eine regionale Machtbasis geschaffen. Die Taliban, die den IS ebenfalls bekämpfen und eine vornehmlich innerafghanische Strategie verfolgen, stellen dabei natürliche Verbündete dar.

US-Truppen im Visier

Allerdings ist die IS-Präsenz in Afghanistan zu unbedeutend, als dass sie allein Moskaus Initiative erklären könnte. Von der Unterstützung der Taliban, der mit Abstand wichtigsten Gegenpartei der Regierung in Kabul, erhofft sich Russland vor allem auch eine weitere Schwächung der prowestlichen Kräfte im Land –und dies zu einem Zeitpunkt, da ohnehin viele offene Fragen zur amerikanischen Langzeitplanung für Afghanistan bestehen. Nicht nur die Taliban, auch Russland lehnen eine andauernde Präsenz amerikanischer Truppen in Afghanistan und somit am Tor zum postsowjetischen Zentralasien kategorisch ab.

Diese Frauenaugen haben die Künstler von ArtLords auf die Umfassungsmauer des afghanischen Geheimdiensts in Kabul gemalt. (Bild: Rahmat Gul / AP)

Strassenkunst in Kabul
Den hässlichen Krieg übermalen
von Volker Pabst, Kabul15.3.2017, 12:00

Auch in Iran und China, beides Nachbarländer Afghanistans, prägen der IS und die strategische Konkurrenz zu den USA den Blick auf den Hindukusch. Dies macht sie in den Gesprächen zu Verbündeten Moskaus, obwohl sie gegenüber den Taliban grundsätzlich grössere Vorbehalte haben dürften als Russland. Für Chinas Grossprojekt einer neuen Landhandelsroute nach Europa («One Belt, One Road») ist Stabilität und Sicherheit in Zentral- und Südasien das entscheidende Kriterium. Das enge Bündnis mit Pakistan, der traditionellen Schutzmacht der afghanischen Taliban, drängt Peking allerdings ebenfalls eine gewisse Zusammenarbeit mit diesen auf.

Guter Terrorist, schlechter Terrorist

Das zerrüttete pakistanisch-indische Verhältnis, das für die Afghanistanpolitik der beiden Erbfeinde immer von grosser Bedeutung war, fördert die beschriebenen Allianzen. Um eine Einkreisung zu vermeiden, hat Islamabad immer jene Kräfte in Afghanistan unterstützt, die als Gegengewicht zu pro-indischen Parteien gelten. Allen anderslautenden Beteuerungen zum Trotz sind dies weiterhin die afghanischen Taliban, gerade wenn Delhi Kabul, wie zurzeit, grosszügig umwirbt. Nicht zufällig sind die ohnehin stets belasteten afghanisch-pakistanischen Beziehungen jüngst auf einem Tiefpunkt angelangt.

Dies und die vertiefte Partnerschaft zwischen Delhi und Washington haben nun dazu geführt, dass sich Russland und Pakistan spürbar annähern. Als vor einem Jahr wegen eines Zwischenfalls in Kaschmir die Spannungen zwischen Indien und Pakistan stiegen und sogar ein Waffengang in den Bereich des Möglichen rückte, führte Russland mit Pakistan ein gemeinsames Militärmanöver durch. Noch vor einigen Jahren wäre das angesichts der traditionellen Achse zwischen Moskau und Delhi undenkbar gewesen. Und kürzlich besuchte eine russische Militärdelegation Nordwaziristan, wo die pakistanische Armee seit zwei Jahren erfolgreich gegen islamistische Aufständische vorgeht.

Islamabad hält weiterhin an der Unterscheidung zwischen guten und schlechten Terroristen fest, wobei Erstere zu aussenpolitischen Zwecken eingesetzt werden können, Letztere aber für Pakistan selber eine Gefahr darstellen. Diese Denkweise scheint sich in Bezug auf Afghanistan auch in Moskau, Peking und Teheran durchzusetzen. Den Taliban verschafft das diplomatisches Gewicht an Orten, wo das jüngst noch sehr unwahrscheinlich erschien.

Einbindung der Taliban

Die Taliban sind der stärkste Gegner der afghanischen Regierung. Eine langfristige Friedenslösung für das geschundene Land ist ohne Einbindung gemässigter Kräfte aus dieser Bewegung schwer vorstellbar. Auch der Verhandlungsprozess vor zwei Jahren, den Präsident Ghani mit China, Pakistan und den USA angestossen hatte, zielte auf direkte Gespräche mit den Aufständischen ab.

Diplomatische Kontakte mit der Bewegung sind prinzipiell durchaus zu begrüssen. Dass aber die russische Rückendeckung für die Aufständischen den Friedensprozess voranbringen wird, darf angesichts der gegebenen Ausgangslage bezweifelt werden, zumal die USA in Moskau fehlen und die Taliban auf dem Schlachtfeld laufend Erfolge erringen, so dass sie sich kaum zu Kompromissen am Verhandlungstisch genötigt sehen. Doch um Frieden in Afghanistan geht es in den Friedensgesprächen ja auch nur am Rande.

Ergebnislose Afghanistan-Gespräche in Moskau

boy. Moskau ⋅ Die dritte Runde der Afghanistan-Gespräche in Moskau hat abermals keine greifbaren Ergebnisse gebracht. In einer vom russischen Aussenministerium am Freitag veröffentlichten Presseerklärung riefen die elf Teilnehmerstaaten die Taliban-Führung auf, an Friedensgesprächen mit der afghanischen Regierung in Moskau teilzunehmen. Ein Sprecher der Taliban, die ebenfalls für Freitag nach Moskau eingeladen worden waren, hatte am Donnerstag abgesagt und hinzugefügt, dass die islamistische Miliz die Gespräche nicht unterstütze.

Das russische Aussenministerium liess es sich nicht nehmen, in seiner dürren Presseerklärung die Nichtteilnahme der Amerikaner an den Konsultationen im ersten Absatz hervorzuheben. Die USA seien eingeladen worden, aber aus «uns nicht verständlichen Gründen» nicht erschienen. Russland hatte erwartet, wenn nicht in Syrien, dann zumindest in Afghanistan pragmatisch mit den Amerikanern zusammenarbeiten zu können. An der Expertenrunde in Moskau hatten wie schon zuvor Vertreter aus Afghanistan, Indien, Pakistan, China, Iran und den fünf zentralasiatischen Ländern teilgenommen.

Russlands Aussenminister Sergei Lawrow hatte bei seiner gemeinsamen Pressekonferenz mit dem amerikanischen Amtskollegen Rex Tillerson am Mittwoch noch gesagt, er rechne mit der Teilnahme der Amerikaner. Diese wiederholten am Donnerstag jedoch ihre bereits im März ausgesprochene Absage. «Wir sehen nicht vor, an diesen regionalen Gesprächen teilzunehmen», sagte ein Sprecher des State Department. Grundsätzlich unterstütze man aber regionale Bemühungen, mit der afghanischen Regierung an einer friedlichen Lösung für das Land zu arbeiten, und beabsichtige mit Russland und anderen Schlüsselfiguren zusammenzuarbeiten, um den Dialog über Afghanistan voranzubringen.

Wenig später am Donnerstag liess Washington über der afghanischen Provinz Nangarhar den grössten konventionellen Sprengkörper abwerfen. In Moskau reagierten auf den Abwurf nur Sicherheitspolitiker der zweiten Reihe. Es habe keinerlei Notwendigkeit für den Einsatz der Bombe gegeben, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Föderationsrat, Franz Klinzewitsch. Die USA wollten mit solchen Aktionen nur ihre Macht gegenüber Russland demonstrieren. In anderen Äusserungen war vom Versuch der USA die Rede, ihr Image aufzupolieren.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s