„In Ostasien könnte der Dritte Weltkrieg losgehen“ Frankfurter Rundschau: Hochgefährliches Säbelrasseln: Falls die USA Nordkorea tatsächlich angriffen, würde Kim Jong Un nicht zögern und zurückschießen, warnt Nordkorea-Experte Rüdiger Frank, Professor für Wirtschaft und Gesellschaft Ostasiens an der Universität Wien.

USA – Nordkorea„In Ostasien könnte der Dritte Weltkrieg losgehen“

Hochgefährliches Säbelrasseln: Falls die USA Nordkorea tatsächlich angriffen, würde Kim Jong Un nicht zögern und zurückschießen, warnt Nordkorea-Experte Rüdiger Frank.

Bereit zum Abschuss: Kim Jong-Un wird nicht zögern, zurückzuschießen, falls Nordkorea angegriffen wird, glaubt Rüdiger Frank. Foto: AFP

Ist das aus Ihrer Sicht ein Beleg, dass die Amerikaner wieder zu einer globalen Ordnungsmacht werden wollen?
Ich habe keine Ahnung, was im Kopf von Donald Trump vorgeht. Ich kann Ihnen aber sagen, dass sich das Ganze positiv auf die Macht von Kim Jong Un auswirken wird. Das wird ihn innenpolitisch stärken. Er hat immer wieder behauptet, das Land sei von den Amerikanern bedroht und müsse deswegen Opfer bringen. Kim Jong Un sieht sich durch das Säbelrasseln der Amerikaner in dieser Haltung bestätigt.

Geht es nur um Nordkorea oder um Macht und Einfluss in ganz Ostasien?
Geopolitisch gesehen ist die Angelegenheit viel breiter. Nordkorea bekommt plötzlich Verbündete, die es bislang nicht hatte, und das treibt Russland und China zusammen.

Wie meinen Sie das?
Russland und China sind zwei Kontinentalmächte, die eine lange gemeinsame Grenze haben. Sie haben eine lange Geschichte von Auseinandersetzungen, die teilweise sogar militärisch waren. Die Amerikaner haben es seit den 70er Jahren vermocht, einen Keil zwischen die damalige Sowjetunion und die Volksrepublik China zu treiben. Doch nun treten die Amerikaner beiden Staaten relativ aggressiv gegenüber. Gegen Russland geht es im globalen Kontext und in Syrien, gegen China im Südchinesischen Meer und jetzt auf der Koreanischen Halbinsel. Russland und China haben also den gleichen Gegner, und das vereint sie.

Aber die Chinesen haben Schiffe mit nordkoreanischer Kohle abgewiesen. Ist das nicht ein Zeichen dafür, dass China auf US-Linie einschwenkt?
Die Chinesen schwenken keineswegs auf US-Linie ein. Das würden sie niemals tun. Sie haben aber auch keine Lust, immer als Prügelknabe dazustehen, wenn die Nordkoreaner etwas tun, was die Amerikaner verärgert. Den Chinesen wird immerzu vorgeworfen, sie übten nicht genügend Druck auf Nordkorea aus. Um sich von diesem Vorwurf zu befreien, haben sie jetzt halt die Kohlelieferungen abgewiesen. Das kann man schnell wieder ändern, und außerdem hat China Anfang des Jahres viel Kohle gekauft. Deswegen sind die Auswirkungen relativ gering. China möchte nur zeigen: Wir haben mit den Nordkoreanern nichts zu tun.

Wie gefährlich ist Ostasien für die Stabilität der Welt?
Das ist ein neuralgischer Punkt. Hier treffen die alte Supermacht USA und die aufstrebende Großmacht China aufeinander. Die Amerikaner haben Truppen in Südkorea stationiert, Nordkorea grenzt an China. Und dazu kommen noch der Konflikt um das Südchinesische Meer und der Streit um Taiwan. Die gesamte Region ist also äußerst gefährlich. Hier könnte, was hoffentlich nie eintritt, tatsächlich der Dritte Weltkrieg losgehen.

Erstaunlich eigentlich, dass die Amerikaner unter Trump im Prinzip genauso vorgehen wie unter US-Präsident Barack Obama. Schon vor Jahren hat Obama einen Flugzeugträger in die Region geschickt, um Kim Jong Uns Vater zu beeindrucken. Das ist aber nicht geschehen, und auch einen Lerneffekt scheint es in Washington nicht zu geben.
Sie haben Recht. Aber der große Unterschied liegt in den beiden US-Präsidenten. Bei Obama konnte man mit einer gewissen Sicherheit davon ausgehen, dass er nichts Unüberlegtes macht. Trump dagegen ist ein völlig anderes Kaliber. Er ist auch für die Nordkoreaner schwerer einschätzbar als Obama. Trump sagt heute das eine und macht morgen das andere. Und darin liegt auch eine Gefahr.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Nordkoreaner zuerst die Nerven verlieren und schießen?
Ich glaube den Nordkoreanern, wenn sie sagen, dass sie ihre Waffen einsetzen würden. Ich glaube ihnen aber auch, wenn sie sagen, dass sie das nur machen werden, wenn sie zuvor angegriffen werden. Wenn aber eine Rakete Richtung Nordkorea fliegt, dann drücken die auf alle Knöpfe, die sie haben, und schießen mit allem zurück, was ihnen zur Verfügung steht. Und das gilt es angesichts der fragilen Lage in der Region unbedingt zu vermeiden.

Interview: Damir Fras

http://www.fr.de/politik/usa-nordkorea-in-ostasien-koennte-der-dritte-weltkrieg-losgehen-a-1259589

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