Alle Räder stehen still, wenn unser starker Arm es will: Streikende legen „europäischen“ Weltraumbahnhof Kourou lahm: Raketenstart fällt aus! Den europäischen Kolonisatoren kostet jeder Streiktag 500.000 Euro. Wenn wir zusammenhalten: Geht doch was, zeigt uns das Beispiel! In dem von Frankreich kolonialisierten Gebiet in Südamerika haben 30 Prozent der Kolonialisierten kein Trinkwasser, liegt die Arbeitslosigkeit doppelt so hoch wie in Frankreich, ist die persönliche Unsicherheit sehr hoch (fast jede Woche wird ein Mensch ermordet). Unzufrieden sind die Menschen auch mit dem Bildungs- und Gesundheitssystem und fühlen sich als Franzosen zweiter Klasse.

Proteste in Französisch-Guayana

Alle Raketen stehen still, wenn dein starker Arm es will

Karte von Französisch-Guyana

KOLUMNEvon Alois Feusi11.4.2017, 05:30 Uhr
Die Streiks in Französisch-Guayana werden zu einer Hypothek für die europäische Raumfahrt. Der Ruf von Arianespace als zuverlässiger Satellitentransporter droht Schaden zu nehmen.
(Bild: AP)

(Bild: AP)

Seit drei Wochen protestieren die Einwohner des Überseedépartement Französisch-Guayana am nordöstlichen Zipfel Südamerikas gegen die hohe Arbeitslosigkeit und tiefe Löhne, schwache Infrastrukturen, die Gesundheitspolitik und die zunehmende Kriminalität.

Auslöser der Proteste war ein Besuch der Umweltministerin Ségolène Royal am 17. März in der Hauptstadt Cayenne. Maskierte Anhänger der Vereinigung «500 frères contre la délinquance» (500 Brüder gegen die Kriminalität) stürmten den Saal, wo die Magistratin aus Paris mit Vertretern der lokalen Wirtschaft zusammentraf. Royal reiste unverzüglich nach Frankreich zurück, und in Französisch-Guayana entwickelte sich ein Flächenbrand, der am 27. März in einen Generalstreik mündete. Die Regale der Supermärkte sind inzwischen leer, und mehrere Schiffe mussten mit ungelöschter Fracht wieder aus dem Hafen von Cayenne auslaufen.

Von den Protesten betroffen ist auch Europas Raumfahrtzentrum in Kourou, von dem 15 Prozent der Arbeitsplätze abhängen und das etwa 15 Prozent des Bruttoinlandprodukts des Département generiert. Ein auf den 21. März angesetzter Start einer Ariane-5-Rakete mit zwei Kommunikationssatelliten musste auf unbestimmte Zeit verschoben werden, und ein weiterer Start Ende April scheint gefährdet. Rund 500 000 Euro kosten die Startverschiebungen pro Streiktag.

Noch viel grösser könnte der Schaden werden, wenn der gute Ruf von Arianespace als zwar teurer, dafür aber weltweit zuverlässigster Satellitentransporter leiden sollte. Die private amerikanische Konkurrenz von SpaceX und Blue Origin drängt derzeit mit mehrfach verwendbaren Raketen in den wachsenden Markt. Sie würde gewiss gerne in die Lücke springen, wenn die Betreiber von Kommunikations-, meteorologischen und militärischen Satelliten an der Zuverlässigkeit von Arianespace zu zweifeln beginnen sollten. – «Pou Lagiwiyann dékolé» nennt sich das gewerkschaftliche Kollektiv hinter den Protesten auf Kreolisch: «Auf dass Guayana abheben möge». Der poetische Name könnte durchaus zur Verhöhnung werden.

https://www.nzz.ch/international/europas-raumfahrtzentrum-betroffen-im-pfefferland-ist-der-teufel-los-ld.1085560

Protestwelle vor WahlenGeneralstreik legt Französisch-Guyana lahm

Ein Generalstreik hat das Leben im südamerikanischen Französisch-Guayana teilweise lahmgelegt. Die Gewerkschaften in dem französischen Überseegebiet protestieren damit gegen schlechte Infrastruktur, hohe Arbeitslosigkeit und Kriminalitätsraten sowie Probleme bei Bildung und Gesundheitsversorgung.

Die Proteste im nördlich an Brasilien angrenzenden Französisch-Guayana dauern schon seit Tagen an. An vielen Orten wurden Straßenblockaden errichtet, Fluggesellschaften strichen ihre Flüge in die Hauptstadt Cayenne. Wegen Streiks musste ein geplanter Raketenstart am Weltraumbahnhof Kourou wiederholt verschoben werden.

Der französische Regierungschef Bernard Cazeneuve kündigte in Paris an, im Laufe der Woche mehrere Minister nach Französisch-Guayana schicken zu wollen. Außerdem solle ein „Zukunftspakt“ für das Überseegebiet geschlossen werden. Zugleich rief Cazeneuve zu „Dialog, Verantwortungsbewusstsein und Beruhigung“ auf. Die Protestwelle kommt der französischen Regierung weniger als einen Monat vor der Präsidentschaftswahl höchst ungelegen.

Viele Menschen in dem Überseegebiet mit seinen mehr als 250.000 Einwohnern fühlen sich von der Pariser Regierung im Stich gelassen. „Die Regierung merkt anscheinend nicht, wie sehr die Bevölkerung die Nase voll hat“, sagte der sozialistische Senator Antoine Karam dem Nachrichtensender BFMTV. „30 Prozent der Bevölkerung hat keinen Zugang zu Trinkwasser oder zu Elektrizität.“

Warum der Streik in Französisch-Guyana so massiv ist

Vorbereitung des Generalstreiks in französisch Guyana hier am 25.3.2017Eine knappe Skizze einer langen Kolonialgeschichte und eine Erörterung der drängenden Forderungen so vieler Menschen, die Grundlage für die massive Mobilisierung ist – das ist Gegenstand des Interviews „Guyane: «Le résultat d’une situation coloniale»“ am 29. März 2017 bei der französischen NPA externer Link, das Leila Soula mit Fabien Canavy geführt hat. Canavy ist ein führender Aktivist des MDES (Mouvement pour la décolonisation et l’émancipation sociale) und stellt vor allem die Weigerung Frankreichs, in das Bildungswesen Guyanas zu investieren heraus, sowie die massiven alltäglichen Sicherheitsprobleme der Menschen. Die von Paris entsandte Ministerdelegation ist seiner Ansicht nach nicht nur die Erfüllung einer Verhandlungsforderung der Bewegung in Guyana, sondern könnte auch ein Faktor zur Spaltung der Bewegung werden, je nachdem welche Konditionen akzeptiert werden, wer wie verhandeln kann und soll…

Generalstreik in Französisch-Guyana – wirkt

Vorbereitung des Generalstreiks in französisch Guyana hier am 25.3.2017Die französische Regierung hat eine Delegation von Ministerialbeamten nach Guyana geschickt. Doch die Demonstranten weigern sich mit ihnen zu sprechen, sie verlangen nach Ministern. Wegen der Unruhen musste der Start einer Ariane-5-Rakete vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou bis auf Weiteres verschoben werden. Die Fluggesellschaft Air France sagte ihre Flüge von Paris nach Cayenne ab. 2016 lag die Arbeitslosenquote in Französisch-Guyana im Schnitt bei 23 Prozent, mehr als doppelt so hoch wie in Frankreich insgesamt. in dem Überseedepartement leben rund 250.000 Menschen. Sie fühlen sich als “Franzosen zweiter Klasse”“ – aus der Meldung „Gespannte Lage – Generalstreik in Franzoesisch-Guyana“ am 27. März 2017 bei den Euronews externer Link, worin auch noch Fotos von einer Polizeiattacke auf die Botschaft Surinams mitgeliefert werden. Siehe dazu zwei weitere aktuelle Beiträge:

  • „Generalstreik in Kolonie“ von Florian Wilde am 29. März 2017 in der jungen Welt externer Link, worin berichtet wird: „Wie die anderen französischen Überseegebiete leidet auch das an der lateinamerikanischen Atlantikküste gelegene Guyana an hoher Arbeitslosigkeit, einem extrem prekarisierten Arbeitsmarkt und allgegenwärtiger Armut. Umfangreiche französische Investitionen finden nur für den Weltraumflughafen Kourou statt. Ein besonderes Problem stellt die Kriminalität dar: In dem mit 250.000 Einwohnern dünnbesiedelten Departement wird im Schnitt fast jede Woche ein Mensch ermordet – die höchste Mordrate in Frankreich überhaupt. Proteste gegen die schlechte Sicherheitslage bilden auch den Ausgangspunkt der aktuellen Protestwelle. Am 17. März stürmten maskierte Anhänger eines kürzlich gebildeten »Kollektivs der 500 Brüder gegen die Kriminalität« eine Veranstaltung mit der französischen Umweltministerin Ségolène Royal und forderten entschlossene Maßnahmen gegen die Kriminalität. Royale brach daraufhin ihren Besuch überhastet ab. Am 20. März begannen streikende Arbeiter eines Subunternehmens des Weltraumzentrums von Kourou und Beschäftigte eines nahegelegenen Krankenhauses gemeinsam mit Anwohnerinitiativen, Barrikaden auf den Zufahrtswegen zum Weltraumbahnhof zu errichten. Aktivisten des »Kollektivs« stießen hinzu. Trotz des Einsatzes von Tränengas scheiterte eine Räumung durch die Polizei

http://www.labournet.de/internationales/frankreich/aussengebiete-frankreich/generalstreik-in-franzoesisch-guyana-wirkt/?cat=6977

Geteiltes Land
Guyanas schwieriges koloniales Erbe
von Tjerk Brühwiller, Georgetown22.1.2016, 11:00
Die Trennlinie zwischen der schwarzen und der indischen Bevölkerung Guyanas ist scharf, besonders in der Politik. Doch die letzten Wahlen könnten ein neues Kapitel eröffnen.

Zur Geschichte:

Europa in Südamerika? Teil der EU und der Nato?

Geschichte

Strafanstalt der Îles du Salut

Hauptartikel: Geschichte Französisch-Guayanas

Bereits 1498 entdeckte Christoph Kolumbus die Küste Guayanas. Aber erst etwa hundert Jahre später siedelten sich dort europäische Auswanderer an – zunächst Niederländer und ab 1604 Franzosen und Engländer. Als Reparation des im Orangen-Krieg unterlegenen Portugals wurde dieses Gebiet Portugiesisch-Brasiliens 1801 im Frieden von Badajoz an Frankreich abgetreten.

1946 wurde Französisch-Guayana als Überseedépartement ein integraler Bestandteil Frankreichs und erhielt so eine eingeschränkte Selbstverwaltung. In der französischen Nationalversammlung und im Senat ist das Département seitdem mit zwei Mitgliedern vertreten.

Bekannt wurde Französisch-Guayana für den „Archipel der Verdammten“ auf den Îles du Salut, eine französische Strafkolonie, die von 1852 bis 1951 bestand. Dazu gehörte auch die Teufelsinsel. Bis zu 70.000 Menschen aus unterschiedlichen sozialen Schichten waren dort inhaftiert.

1968 bauten die Europäer in Kourou das – geografisch günstig, weil äquatornah liegende – Raketenabschussgelände Centre Spatial Guyanais, welches im Laufe der Zeit ständig erweitert wurde. Der Erfolg des Ariane-Programms und eine geschickte Unternehmensstrategie der Betreibergesellschaft Arianespace trugen erheblich dazu bei.

Die Mehrheit der Bevölkerung machen die Kreolen und Schwarzen aus, die in der Kolonialzeit von Westafrika nach Französisch-Guayana als Sklaven verschifft wurden. Die Nachfahren der europäischen Einwanderer machen 12 % der Einwohner aus. Weitere bedeutende Minderheiten sind die indigenen Ureinwohner (Indianer) mit etwa 5–10 %, und die Südostasiaten, es sind vor allem Laoten und Vietnamesen aus der ehemaligen französischen Kolonie Indochina.

https://de.wikipedia.org/wiki/Franz%C3%B6sisch-Guayana

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s