Der Linkskandidat Jean-Luc Mélenchon stürmt voran in den Meinungsumfragen. Der Ex-Trotzkist, Ex-Sozialist, Ex-Minister und einstige Gründer der französischen Linkspartei (Parti de gauche) kandidiert diesmal für seine eigene Bewegung mit dem sehr patriotisch klingenden Namen «La France insoumise» (Das unbeugsame Frankreich). Dank einer Kampagne mit populistischen Akzenten hat er seinen sozialistischen Rivalen Benoît Hamon überholt und zum Bürgerlichen François Fillon aufgeschlossen; jetzt hofft er, womöglich sogar in die Stichwahl vorstossen zu können. Vereint – aber nur vereint – hätten die beiden Kandidaten Hamon und Mélenchon eine reelle Chance auf einen Platz in der Endrunde.

Frankreich wählt
Ein Aussenseiter holt auf
von Rudolf Balmer, Paris10.4.2017, 14:00 Uhr
Der Linkskandidat Jean-Luc Mélenchon stürmt voran in den Meinungsumfragen. Doch ohne Einigung hat das linke Lager wenig Aussicht auf die zweite Wahlrunde.
Jean-Luc Melenchon (Mitte) und Benoît Hamon (rechts) auf Wahlplakaten in Paris. (Bild: Charles Platiau / Reuters)

Jean-Luc Melenchon (Mitte) und Benoît Hamon (rechts) auf Wahlplakaten in Paris. (Bild: Charles Platiau / Reuters)

Der Linkskandidat Jean-Luc Mélenchon stürmt voran in den Meinungsumfragen. Der Ex-Trotzkist, Ex-Sozialist, Ex-Minister und einstige Gründer der französischen Linkspartei (Parti de gauche) kandidiert diesmal für seine eigene Bewegung mit dem sehr patriotisch klingenden Namen «La France insoumise» (Das unbeugsame Frankreich). Dank einer Kampagne mit populistischen Akzenten hat er seinen sozialistischen Rivalen Benoît Hamon überholt und zum Bürgerlichen François Fillon aufgeschlossen; jetzt hofft er, womöglich sogar in die Stichwahl vorstossen zu können.

Präsidentenwahl in Frankreich

Umfragewerte vom 10. April für den ersten Wahlgang
Marine Le Pen
Marine Le Pen
Front national
24%
Emmanuel Macron
Emmanuel Macron
En marche!
23%
François Fillon
François Fillon
Les Républicains
19%
Jean-Luc Mélenchon
Jean-Luc Mélenchon
France insoumise
18%
  Benoît Hamon
Benoît Hamon
Parti socialiste
9%

Hamon als offizieller Kandidat des Parti socialiste (PS) hingegen ist abgehängt, und das ist nicht allein die Schuld des gegenwärtigen Präsidenten François Hollande. Er hat zwar versucht, sich links zu positionieren und sich so von der Bilanz des Amtsinhabers zu distanzieren. Er wird dennoch als Ex-Minister mitverantwortlich gemacht für den bescheidenen Leistungsausweis der ablaufenden Regierungsperiode.

«Verrat» durch Genossen

Zugleich erscheint Hamons Programm vielen seiner Parteikollegen und vor allem derzeitigen Regierungsmitgliedern als zu links, zu radikal, zu utopisch. Der frühere Premierminister Valls, der amtierende Verteidigungsminister Le Drian und noch manche andere ziehen öffentlich den Linksliberalen Macron vor. Hamon beklagt sich bitter über den «Verrat» durch Genossen. Er ist in den Umfragen von anfänglich 16 auf 11 Prozent zurückgefallen.

Mélenchon hat Hamons Vorschlag einer gemeinsamen Kampagne abgelehnt. Die Epoche der Union de la gauche in Frankreich ist passé. Hamon hat die Führung des Parti socialiste im Auge, Mélenchon spekuliert auf die Implosion dieser Partei nach dem Wahlfiasko. Vereint – aber nur vereint – hätten die beiden Kandidaten Hamon und Mélenchon eine reelle Chance auf einen Platz in der Endrunde.

https://www.nzz.ch/international/wahlen-in-frankreich/frankreich-waehlt-zerstrittene-linke-ohne-chance-ld.1085370

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s