Dass der Klimawandel kein Märchen, sondern brutale Wirklichkeit ist, davon sind viele Latinos überzeugt. Jeder Taxifahrer in Bogotá, Lima oder La Paz wird es bestätigen: Nie zuvor war es in seiner Stadt so heiss, mangelte es dermassen an Trinkwasser, regnete es so intensiv wie in den letzten Jahren. Die bewegenden Bilder von reissenden Sturzfluten, grossflächigen Überschwemmungen und gewaltigen Erdrutschen aus Peru, Kolumbien und Argentinien, die dieser Tage zirkulieren, bestätigen die Lateinamerikaner in ihrer Ansicht, dass das Klima ausser Rand und Band geraten sei. Weltweit hat sich die Zahl der Naturkatastrophen laut dem Sekretariat der UNO für Risikominderung in den letzten 30 Jahren verdreifacht. Dies betrifft insbesondere Überschwemmungen, Wirbelstürme, Dürreperioden, Erdrutsche und Erdbeben. Gerade in den weniger entwickelten Ländern des Südens sind die Auswirkungen viel ausgeprägter als in den Industriestaaten. Durch ein einziges Naturereignis können Jahre des Aufbaus zerstört und kann kostbares Volksvermögen vernichtet werden. Dabei sind Armut und Verwundbarkeit für Naturkatastrophen eng miteinander verbunden. Arme und benachteiligte Bevölkerungsgruppen sind überdurchschnittlich von Naturkatastrophen betroffen.

Schlammlawine in Kolumbien

Dass der Klimawandel kein Märchen, sondern brutale Wirklichkeit ist, davon sind viele Latinos überzeugt

von Richard Bauer, Cochabamba7.4.2017, 09:00 Uhr

Mehr als 300 Personen sind am Wochenende in der kolumbianischen Stadt Mocoa Opfer einer Schlammlawine geworden. Die Unwetterkatastrophe ist kein Ausnahmefall in der Region.

Sturzfluten haben ganze Quartiere der Stadt Mocoa weggespült. Die Bewohner sind in Zelten untergekommen. (Bild: J. Saldarriaga / Reuters)

Dass der Klimawandel kein Märchen, sondern brutale Wirklichkeit ist, davon sind viele Latinos überzeugt. Jeder Taxifahrer in Bogotá, Lima oder La Paz wird es bestätigen: Nie zuvor war es in seiner Stadt so heiss, mangelte es dermassen an Trinkwasser, regnete es so intensiv wie in den letzten Jahren. Die bewegenden Bilder von reissenden Sturzfluten, grossflächigen Überschwemmungen und gewaltigen Erdrutschen aus Peru, Kolumbien und Argentinien, die dieser Tage zirkulieren, bestätigen die Lateinamerikaner in ihrer Ansicht, dass das Klima ausser Rand und Band geraten sei. Gleichzeitig zeigen sie der Welt einen geografischen Raum, wo klimatisch bedingte Katastrophen in immer kürzeren Abständen und zunehmender Schwere auftreten. Kurz nach der Tragödie im kolumbianischen Städtchen Mocoa, wo am Wochenende mehr als 300 Personen Opfer einer Schlamm- und Steinlawine wurden, stimmte Präsident Manuel Santos in den Chor derer ein, die die Katastrophe als direkte Folge des Klimawandels darstellen.

«El Niño» bringt Regen

Das Departement Cochabamba mit der drittgrössten Stadt Boliviens als Hauptort gehört zu den häufig von Naturkatastrophen heimgesuchten Gebieten des Andenlandes. Bei einer Umfrage der lokalen Denkfabrik Ceres gaben kürzlich 83 Prozent der Befragten an, für sie seien die Auswirkungen des Klimawandels bereits heute sichtbar und fühlbar. Aufgefordert, die wichtigsten globalen Probleme zu benennen, liessen die Befragten den Klimawandel an zweiter Stelle hinter der Sorge um Wasser rangieren. Danach folgte die Angst vor Armut.

Die Region um die boomende, im Herzen des Halbkontinents gelegene Provinzstadt Cochabamba ist ein Mikrokosmos, der die Situation vieler Gegenden Lateinamerikas abbildet. Hier trifft das Bergland der Anden auf die Tiefebene des Amazonas. Hier bringt das Klimaphänomen «El Niño» regelmässig heftige Niederschläge oder lang andauernde Dürrezeiten. Hier zieht es immer mehr Bauern in die Stadt, weil sie in der Landwirtschaft keine Zukunft mehr sehen. Und hier bricht, aus Mangel an Quellen und Reservoirs, die Trinkwasserversorgung für mehr als eine Million Menschen regelmässig zusammen.

Die Wirtschaftskommission der Uno für Lateinamerika (Cepal) hat seit dem grossen Erdbeben von Managua 1972 die Schäden von 91 bedeutenden Naturkatastrophen in 28 Ländern der Region erhoben. Ein überwiegender Teil ist auf klimatische Faktoren zurückzuführen. In Kolumbien und Peru sind Überschwemmungen und Erdrutsche die am häufigsten auftretenden Phänomene, vor Erdbeben und Vulkanausbrüchen, dies aufgrund der Lage der beiden Länder am Pazifischen Feuerring.

Zahl der Todesopfer steigt an

In nie zuvor gesehenem Ausmass ist in Lateinamerika eine starke Zunahme kleinerer, heftiger Katastrophen an weit verstreuten Orten zu beobachten. Als Folge stiegen in jüngster Zeit die Zahlen der Todesopfer. Mühsam über Jahre errichtete soziale Infrastruktur wurde zerstört. Besonders verheerend waren die Auswirkungen auf Land- und Forstwirtschaft. Experten der Cepal haben errechnet, dass Naturkatastrophen im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts in der Region insgesamt Schäden von 115 Milliarden Dollar angerichtet haben, das Doppelte des Jahrzehnts zuvor.

Der kolumbianische Umweltexperte Rodrigo Botero von der Stiftung für Erhaltung und nachhaltige Entwicklung in Bogotá sucht nach den Ursachen für die Katastrophe von Mocoa. Am Wochenende hatten Starkniederschläge Sturzfluten des Mocoa und der beiden Zuflüsse Mulato und Sangoyaco ausgelöst. Schlamm- und Steinlawinen zerstörten ganze Stadtviertel. «Die Stadt ist das Opfer fehlender Stadtplanung geworden, etwas, was in fast allen Regionen Kolumbiens der Fall ist. Wir sind daran gewöhnt, dass wir erst reagieren, wenn es Opfer und Katastrophen gibt. Das Klima lässt uns unsere Unterlassungen teuer bezahlen», schreibt Botero in der Wochenzeitschrift «Semana».

Mit Überschwemmungen müsse man hier immer rechnen, liege Mocoa doch in einem der niederschlagsreichsten Gebiete im Einzugsgebiet des Amazonas. Auch hätten sich in letzter Zeit die Niederschlagsmengen erhöht und sei die Intensität der Regengüsse stärker geworden. Die Überschwemmungsgefahr habe sich zusätzlich erhöht, weil im Einzugsgebiet des Mocoa die Wälder abgeholzt und Strassen gebaut wurden. Damit habe sich die Erosionsgefahr erhöht. Das Fazit des Autors: Mit Sicherheit werde es in Zukunft ähnliche Ereignisse in Mocoa geben. Es sei überfällig, vorsorgliche Massnahmen zu treffen.

Weltweit hat sich die Zahl der Naturkatastrophen laut dem Sekretariat der Uno für Risikominderung in den letzten 30 Jahren verdreifacht. Dies betrifft insbesondere Überschwemmungen, Wirbelstürme, Dürreperioden, Erdrutsche und Erdbeben. Gerade in den weniger entwickelten Ländern des Südens sind die Auswirkungen viel ausgeprägter als in den Industriestaaten, wo Katastrophenvorsorge seit alters her praktiziert wird und kulturell tief verankert ist.

Auch die Beseitigung der Schäden und der Wiederaufbau stossen in diesen Ländern auf grosse Schwierigkeiten, weil es an Spezialisten, Baumaschinen und Kapital fehlt. Die Versicherungsgesellschaft Munich Re wird nicht müde, in ihren Jahresberichten auf die mangelnde Versicherung von Katastrophenschäden in Schwellen- und Entwicklungsländern hinzuweisen. Zwischen 2000 und 2016 waren von Schadenereignissen aus Naturkatastrophen in Südamerika nur gerade 17 Prozent versichert. In den USA waren es immerhin 50 Prozent.

Systematische Vorsorge

Es sind vor allem Ökonomen und Entwicklungsexperten, die sich für mehr und systematischere Katastrophenvorsorge in Entwicklungs- und Schwellenländern starkmachen. Ihr Argument: Durch ein einziges Naturereignis können Jahre des Aufbaus zerstört und kann kostbares Volksvermögen vernichtet werden. Dabei sind Armut und Verwundbarkeit für Naturkatastrophen eng miteinander verbunden. Arme und benachteiligte Bevölkerungsgruppen sind überdurchschnittlich von Naturkatastrophen betroffen. Sie wohnen häufig in prekären Behausungen auf illegal besetzten Grundstücken, die in Gefahrenzonen liegen, etwa an erosionsgefährdeten Abhängen oder entlang von Flussläufen, das heisst an Orten, wo eigentlich niemand bauen dürfte. Der schwache Staat und korrupte Politiker sind nicht in der Lage oder willens, Bauordnungen und Zonenpläne durchzusetzen.

 

https://mic.com/articles/173471/trump-world-war-iii-attacking-syria-wwiii-ww3#.3DfyB1Wev

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