100’000 Personen, unter ihnen 20’000 Kinder, stehen in Süd-Sudan an der Schwelle zum Hungertod, 4,9 Millionen hungern. Die Regierung des Süd-Sudan hält Hilfsorganisationen vom Helfen ab. «Während der Kämpfe wurden ganze Dörfer niedergebrannt, einige Kinder waren so mangelernährt, dass sie sich kaum mehr bewegen konnten.» Vielerorts seien auch die Spitäler von Soldaten zerstört worden. Die Regierung des ölreichen Landes hat die Versorgung der Bevölkerung fast gänzlich den Hilfsorganisationen überlassen. Gleichzeitig gibt das Regime laut einem vertraulichen Uno-Bericht einen Grossteil seiner Einkünfte aus dem Ölgeschäft für Waffen aus. Und in der Welt sieht es ähnlich aus: Für Waffen und Kriege haben die Staaten immer mehr Geld zur Verfügung, aber der Fonds zur Hilfe gegen das Sterben im Süd-Sudan ist erst zu 18 Prozent gedeckt! Zudem muss man erinnern, dass der Westen mit aller Macht die Unabhängigkeit des „christlichen“ Süd-Sudan vom „muslimischen“ Sudan durchdrückte und der Welt als die Lösung verkaufte. Jetzt befindet sich der neue Staat im totalen Chaos.

Hungersnot im Südsudan
Regierung hält Hilfsorganisationen vom Helfen ab
von Anne-Sophie Galli29.3.2017, 12:22 Uhr
Trotz Hungersnot hindert die südsudanesische Regierung Mitarbeiter von Hilfsorganisationen an ihrer Arbeit. Die NGO stecken in einem Dilemma.
aus der Neuen Züricher Zeitung
Die Hilfsorganisationen stehen im Südsudan vor einem Dilemma: Um helfen zu können, dürfen sie die Regierung, die am Ursprung der Krise steht, nicht zu hart kritisieren. (Bild: George Fominyen / Keystone)

Die Hilfsorganisationen stehen im Südsudan vor einem Dilemma: Um helfen zu können, dürfen sie die Regierung, die am Ursprung der Krise steht, nicht zu hart kritisieren. (Bild: George Fominyen / Keystone)

Tausende von Südsudanesen verstecken sich auf kleinen Inseln in einer Sumpflandschaft am Nil. Geflohen sind sie vor dem Bürgerkrieg in ihrem Land. Abgeschnitten von der Aussenwelt, haben sie sich monatelang von Wasserlilien, anderen Wildpflanzen und Fischen ernährt, erzählt Angela Griep vom Uno-Kinderhilfswerk Unicef, die die Gegend um Thonyor im Gliedstaat Unity kürzlich besucht hat.

In der stark umkämpften Region herrscht eine besonders schlimme Hungersnot. Die südsudanesische Regierung um Präsident Salva Kiir ist für diese mitverantwortlich. Kiir und die anderen Konfliktparteien würden den Hilfsorganisationen teilweise den Zugang zu den Bedürftigen verwehren, kritisierte Uno-Nothilfekoordinator Stephen O’Brien unlängst. Auch scheint die südsudanesische Regierung vielen Hilfsorganisation zu misstrauen. «Die meisten sind hier, um die Regierung auszuspionieren», liess der südsudanesische Kabinettsminister Martin Lomuro kürzlich verlauten.

Die Hungersnot im Südsudan ist wie die meisten solchen Krisen von Menschen verursacht. Naturereignisse wie Dürren können zwar zu Lebensmittelknappheit führen, am Ursprung einer Hungersnot stehen jedoch vorwiegend korrupte Autokraten sowie blutige Konflikte.

NGOs in einem Dilemma

In Thonyor im Norden des Südsudans deuten nur noch dunkle Quadrate am Boden darauf hin, dass hier einst Lehmhütten standen. «Während der Kämpfe wurden ganze Dörfer niedergebrannt», sagt Angela Griep. «Einige Kinder waren so mangelernährt, dass sie sich kaum mehr bewegen konnten.»

Vielerorts seien auch die Spitäler von Soldaten zerstört worden. Die Regierung des ölreichen Landes hat die Versorgung der Bevölkerung fast gänzlich den Hilfsorganisationen überlassen. Gleichzeitig gibt das Regime laut einem vertraulichen Uno-Bericht einen Grossteil seiner Einkünfte aus dem Ölgeschäft für Waffen aus. Die daraus resultierende Abhängigkeit der Bevölkerung von Hilfsorganisationen stellt diese vor ein grosses Dilemma: Prangern sie die Menschenrechtsverletzungen der Regierung offen an, setzen sie die Versorgung und das Überleben der Hungernden aufs Spiel. Zugleich schützt dieses Schweigen aber auch jene, die für die Katastrophe zur Verantwortung zu ziehen wären.

Nur 18 Prozent des Uno-Budgets gedeckt

Seit dem Kriegsbeginn 2013 sind laut Uno-Angaben 3,5 Millionen Südsudanesen in andere Teile des Landes oder ins Ausland geflohen. Viele Kleinbauern haben ihre Felder zurückgelassen. Märkte bleiben leer, wegen der Wirtschaftskrise können sich viele Leute allerdings ohnehin kaum Nahrungsmittel leisten. 100’000 Personen, unter ihnen 20’000 Kinder, stehen an der Schwelle zum Hungertod, 4,9 Millionen hungern.

Ende Februar wurde im Gliedstaat Unity die Hungersnot ausgerufen. Die Uno benötigt 1,6 Milliarden Dollar, um die Notleidenden angemessen zu unterstützen. Bis dato sind allerdings nur 18 Prozent dieses Budgets gedeckt.

https://www.nzz.ch/international/hungersnot-im-suedsudan-regierung-haelt-hilfsorganisationen-vom-helfen-ab-ld.154135

Hunger

Obwohl weltweit zurzeit vier Länder von einer Hungersnot bedroht sind, sterben heute weniger Personen an Hunger als vor einigen Jahrzehnten. Im letzten Jahrhundert sind um die Zeit des Zweiten Weltkriegs und unter dem chinesischen Revolutionsführer Mao Zedong am meisten Menschen verhungert. Bis in die 1970er Jahre fielen hauptsächlich Asiaten Hungersnöten zum Opfer. Seither sind es mehrheitlich Afrikaner. Die Uno erklärt eine Hungersnot, wenn in einem Land oder einer Region 20 Prozent der Leute kein Essen haben, 30 Prozent akut mangelernährt sind und täglich mehr als zwei von 10’000 Personen sterben.

 

Angriff auf Nahrungsmittelkonvoi im Südsudan
Helfer erschossen
von David Signer, Dakar28.3.2017, 12:56
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