Snowdens mitmenschliche Unterstützer in Gefahr! Hongkong und Sri Lanka nehmen Flüchtlingsfamilien ins Visier, die Edward Snowden den Informations-Demokratisierer in Hongkong aufgenommen hatten – auf Bitte des kanadischen Menschenrechtsanwalts, Robert Tibbo. Nun droht ihnen die Abschiebung aus Hongkong. Weltweit bekannt wurde der kanadische Menschenrechtsexperte 2013, als er half, Edward Snowden in Hongkong zu verstecken und ihm die Flucht nach Moskau zu ermöglichen. Seine Abwesenheit wegen einer Gastprofessur in Österreich, scheinen die Behörden ausnutzen zu wollen und luden die Flüchtlingsfamilien kurzfristig vor. Es war Tibbo, der die Idee hatte, Snowden in einem der ärmsten und am dichtesten besiedelten Stadtteile Hongkongs inmitten von Asylwerbern untertauchen zu lassen. Der kanadische Menschenrechtsanwalt engagiert sich seit 2010 pro bono für die Rechte von Asylwerbern in Hongkong. Denn ihre Lage ist verzweifelt. In Kanada versucht man indes mittels öffentlicher Kampagne Stimmung für ihre Anerkennung als Flüchtlinge zu machen. Noch hat die Regierung nicht reagiert. Auch Snowden steht weiterhin in regelmäßigem Kontakt zu seinen Fluchthelfern. Er mache sich große Sorgen um ihre Sicherheit, so Tibbo.

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(FILES) In this file photo taken on December 13, 2016 Supun Thilina Kellapatha (C) and his partner Nadeeka (C) holding their baby boy Danath, Sri Lankan refugees who helped shelter fugitive whistleblower Edward Snowden in 2013, speak as their lawyer Robert Tibbo (R) listens in their flat in Hong Kong. Refugees who sheltered fugitive whistleblower Edward Snowden in Hong Kong are formally seeking asylum from the Canadian government as their lawyers said Thursday their lives are in danger. The impoverished refugees living hand to mouth in the city took in the former National Security Agency contractor in 2013, helping him to evade authorities by hiding him in their cramped homes after he initiated one of the largest data leaks in US history. / AFP PHOTO / Anthony WALLACE
foto: afp photo / anthony wallace

Robert Tibbo (re.) mit einer der Familien aus Sri Lanka, bei denen sich der Whistleblower Edward Snowden 2013 in Hongkong versteckt hatte. Den Asylwerbern droht nun die Abschiebung

Hongkong nimmt Edward Snowdens Helfer ins Visier

STEFFEN ARORA  Asylwerber hatten 2013 den Whistleblower versteckt, nun droht ihnen die Abschiebung

Innsbruck – Vanessa blickt sorgenvoll in die Webcam und bemüht sich, ein Lächeln aufzusetzen. Es ist jetzt zwei Uhr nachts in Hongkong, Vanessa ist sichtlich müde. Wie es ihr gehe, fragt Robert Tibbo via Skype-Call. „Nicht gut, mein Anwalt ist nicht hier, und die Behörde hat mich zum Abschiebungshearing vorgeladen“, antwortet Vanessa, die ihren Nachnamen nicht in der Zeitung stehen haben will. Sie hat Angst und kämpft mit den Tränen. Ihr Anwalt ist Tibbo, doch der sitzt tausende Kilometer entfernt in der Aula des Management Center Innsbruck, wo er derzeit als Gastprofessor unterrichtet. Weltweit bekannt wurde der kanadische Menschenrechtsexperte 2013, als er half, Edward Snowden in Hongkong zu verstecken und ihm die Flucht nach Moskau zu ermöglichen. Snowden bleibt sein prominentester Klient, doch aktuell sorgt er sich um jene drei Familien, die damals halfen, den Whistleblower zu verstecken. Denn Hongkong will diese nun mit allen Mitteln loswerden.

Im Juni 2013 haben Vanessa, eine junge Philippinerin, die mit ihrer fünfjährigen Tochter zusammenlebt, und weitere zwei aus Sri Lanka stammende Familien, die allesamt als Asylwerber in Hongkong ihr Dasein unter schwierigen Bedingungen fristen, dem meistgesuchten Mann der Welt Asyl gewährt. Ausgerechnet jene, die selbst fast nichts haben, weder materiell noch rechtlich, beschützten den US-Staatsfeind Nummer eins.

Nicht gewusst, wer das ist

Es war Tibbo, der die Idee hatte, Snowden in einem der ärmsten und am dichtesten besiedelten Stadtteile Hongkongs inmitten von Asylwerbern untertauchen zu lassen. „Sie haben zuerst nicht gewusst, wer das ist, den ich ihnen da bringe. Aber sie haben sofort erkannt, dass er Schutz braucht. Also haben sie ihn wie einen der ihren behandelt und versteckt“, erzählt Tibbo. Der kanadische Menschenrechtsanwalt engagiert sich seit 2010 pro bono für die Rechte von Asylwerbern in Hongkong. Denn ihre Lage ist verzweifelt. Die Anerkennungsrate liegt bei praktisch null Prozent. „Seit 1992 haben mehr als 30.000 Menschen in Hongkong um Asyl angesucht, bis heute haben nur 73 einen positiven Bescheid erhalten“, sagt Tibbo. Von aktuell 11.000 Asylwerbern in der Millionenstadt wurde 2017 bisher ein einziger, ein Syrer, anerkannt. Dank seines Einsatzes für die Asylwerber vertrauen die Menschen Tibbo. Auch als er sie bat, Snowden aufzunehmen, zögerten sie keine Sekunde.

Ärger über Vorgehen der Behörden

Umso größer ist Tibbos Ärger angesichts des Vorgehens der Hongkonger Behörden: „Es ist kein Zufall, dass die drei Hearings so plötzlich und genau für jene Tage anberaumt wurden, an denen ich hier in Österreich bin.“ Zwar hat er Kollegen, die ihn in dieser Zeit vertreten, doch auch er sorgt sich um die Sicherheit seiner Klienten: „Erst im vergangenen November ließ Hongkong Polizisten aus Sri Lanka einreisen, um nach den beiden von dort stammenden Familien zu suchen, die Snowden versteckt hatten.“ Das sei klar rechtswidrig, weshalb Tibbo nun zusammen mit drei kanadischen Kollegen in seiner Heimat um Asyl für Snowdens Fluchthelfer ansucht. Das ist in Kanada rechtlich möglich, auch wenn man sich nicht im Land befindet. Tibbo macht geltend, dass die Sicherheit der Familien sowohl von den Behörden in Hongkong als auch von jenen aus Sri Lanka bedroht würde. In Kanada versucht man indes mittels öffentlicher Kampagne Stimmung für ihre Anerkennung als Flüchtlinge zu machen. Noch hat die Regierung nicht reagiert. Auch Snowden steht weiterhin in regelmäßigem Kontakt zu seinen Fluchthelfern. Er mache sich große Sorgen um ihre Sicherheit, so Tibbo. Während Snowdens Visum für Russland eben bis 2020 verlängert wurde, muss Vanessa Montag mit ihrer Tochter vor den Behörden erscheinen. (Steffen Arora, 27.3.2017) foto: afp photo / anthony wallace Robert Tibbo (re.) mit einer der Familien aus Sri Lanka, bei denen sich der Whistleblower Edward Snowden 2013 in Hongkong versteckt hatte. Den Asylwerbern droht nun die Abschiebung.

derStandard.at/Karriere – derstandard.at/2000054852018/Hongkong-nimmt-Snowdens-Helfer-ins-Visier

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