In den USA hat jeder neu eingesetzte Roboter zwischen 3 und fast sechs Arbeitsplätze gefordert und zur Senkung der Löhne geführt. Betroffen sind bisher vor allem einfache manuelle Tätigkeiten, Montagearbeit, aber auch Arbeitnehmer in der Transportbranche und Maschinisten. Mehrere Studien gehen davon aus, dass in hochentwickelten Industriestaaten in den kommenden Jahrzehnten rund jeder zweite Job durch Roboter ersetzt werden könnte. Erinnert sei an Karl Marx: Schon vor 170 Jahren sagte er voraus: Der Wettbewerb im kapitalistischen Wirtschaftssystem führt dazu, dass die Waren mit immer weniger Arbeit hergestellt werden. Aber das führt nicht dazu, dass es den Menschen besser geht. Umgekehrt: Sie werden nicht mehr gebraucht, verlieren ihre Arbeit, immer mehr landen im Elend. Ohne, dass die Gesellschaft die Wirtschaftsordnung so ändert, dass sie über sie bestimmt, wird sie nicht die Chance haben, die Möglichkeit der hohen Produktivität für ein besseres Leben für alle Menschen zu nutzen. In den USA ertrinken jetzt nicht mehr nur „Schwarze“ und „Latinos“ im Meer der Verzweifelung, sondern auch „weiße“ Arbeiter mit geringer Ausbildung. (Am Ende ein Link zum Meer der Verzweifelung in den USA und einige Zitate des tiefgründigsten Analysten des kapital-bestimmten Wirtschaftssystems, der selbst die Vollautomatisierung und ihre Folgen vorausgesehen hat)

US-Studie: Roboter kosten mehr Jobs, als sie bringen

aus dem Standard aus Österreich:

29. März 2017
Zwei Ökonomen kommen zu dem Schluss: Nicht alle durch Roboter-Einsatz wegfallenden Jobs können durch neue ersetzt werden

Cambridge/Wien – Welche Auswirkungen Automatisierung und Digitalisierung auf die Arbeitswelt haben, darüber zerbrechen sich viele Ökonomen den Kopf. Egal ob Weltbank oder Unternehmensberatung McKinsey: Mehrere Studien gehen davon aus, dass in hochentwickelten Industriestaaten in den kommenden Jahrzehnten rund jeder zweite Job durch Roboter ersetzt werden könnte. Gleichzeitig gehen viele Arbeitsmarktexperten davon aus, dass neue Berufsbilder entstehen und uns die Arbeit deshalb so bald nicht ausgehen wird.

Lohnniveau sinkt ebenfalls

Eine neue Studie eines renommierten US-Forschungsinstituts legt nun nahe, dass Roboter in Summe sehr wohl Jobs kosten, wie das Tech-Onlinemedium „The Verge“ berichtet. Demnach gehen durch die Automatisierung nicht nur Jobs verloren, es verringert sich auch das Lohnniveau. Kein selbstverständliches Ergebnis: Andere Studien gehen beispielsweise davon aus, dass Industrieroboter zwar Jobs im Niedriglohnsektor kosten, dafür aber Produktivität und Lohnniveau steigen. Die Autoren der Studie sind Daron Acemoglu und Pascual Restrepo vom National Bureau of Economic Research, der größten wirtschaftswissenschaftliche Forschungseinrichtung in den USA. Sie haben sich den US-Arbeitsmarkt zwischen 1990 und 2007 angesehen und einen genauen Blick auf die Arbeitslosenraten in verschiedenen Regionen und Branchen geworfen. Äußere Einflüsse wie die Verlagerung von Jobs ins Ausland, gestiegene Importe aus China und konjunkturelle Entwicklungen haben sie dabei herausgerechnet.

Drei verlorene Jobs auf einen Roboter

Das Ergebnis: Jeder neue Roboter, der in einer Fertigungsstätte in Betrieb genommen wurde, hatte den Verlust von 3,0 bis 5,6 Jobs im lokalen Einzugsgebiet zur Folge. Und auch die Löhne haben laut den Autoren unter der Automatisierung gelitten: Für jeden neu hinzugekommenen Roboter je 1.000 Arbeitnehmer sind die Löhne in dem Gebiet um 0,25 bis 0,5 Prozent gefallen. Weil der Industrieanteil in den USA im internationalen Vergleich aber relativ gering ist, so die Autoren, sei die Zahl der verlorengegangenen Arbeitsplätze insgesamt überschaubar – 360.000 bis 670.000, lautet ihre Schätzung. Schreite die Verbreitung von Robotern in den kommenden zwei Jahrzehnten allerdings in dem Tempo voran, das Experten vorhersagen, würden die Auswirkungen viel größer werden, schreiben Acemoglu und Restrepo.

Einfache Arbeiten betroffen

Am stärksten vom Jobabbau durch Automatisierung betroffen sind laut der Studie einfache manuelle Tätigkeiten, Montagearbeit, aber auch Arbeitnehmer in der Transportbranche und Maschinisten. Dass es gerade diese Berufsbilder trifft und nicht etwa auch Führungskräfte, ist laut den Autoren „wenig überraschend“.

Was als Roboter zu werten ist, wurde von den Ökonomen relativ eng festgelegt: Sie hielten sich an die Definition für Industrieroboter der Internationalen Organisation für Normung (ISO). Ein solcher muss demnach selbststeuernd, reprogrammierbar und multifunktional sein. Nicht als Roboter gelten in dieser Sichtweise etwa Anlagen wie Förderbänder und Softwareprogramme. Die Zahl der Roboter, heißt es in der Studie, hat sich in den USA und Westeuropa allein zwischen 1993 und 2007 vervierfacht. (red, 29.3.2017)

Links: Zur Studie: http://papers.nber.org/tmp/7580-w23285.pdf

National Bureau of Economic Research: http://www.nber.org/

„The Verge“-Artikel – http://www.theverge.com/2017/3/28/15086576/robot-jobs-automation-unemployent-us-labor-market

derstandard.at/2000055042627/US-Studie-Roboter-kosten-mehr-Jobs-als-sie-bringen

Hier auch der Link zu dem Bericht, dass wenig ausgebildete und jetzt auch weiße Arbeiter immer früher in den USA sterben und viele in einem Meer der Verzweifelung ertrinken:

https://internationalesforumblog.wordpress.com/2017/03/29/im-land-mit-den-weltweit-meisten-milliardaeren-das-geld-hat-weltweit-kriege-zu-fuehren-wenig-gebildete-weisse-amerikaner-sterben-immer-frueher-in-einem-meer-der-verzweiflung-der-ansti/

Zu Studien zu den Folgen in Deutschland: Ein Roboter führte in den USA zum Jobverlust für drei bis fünf Arbeiter. Auch für Deutschland könnten diese Roboter in den nächsten Jahren zum Verlust von 18 Millionen Arbeitsplätzen führen – das schrieb eine Ingenieurzeitschrift schon vor Jahren über die Ergebnisse eine Bankstudie der Volkswirte der Bank ING-Diba.
https://internationalesforumblog.wordpress.com/2017/03/30/ein-roboter-fuehrte-in-den-usa-zum-jobverlust-fuer-drei-bis-fuenf-arbeiter-auch-fuer-deutschland-koennten-diese-maschinen-zum-verlust-von-18-millionen-arbeitsplaetzen-fuehren-das-schrieb-eine-ingen/?preview_id=283&preview_nonce=368706b6d9

Aus dem Kommunistischen Manifest:
„Der moderne Arbeiter dagegen, statt sich mit dem Fortschritt der Industrie zu heben, sinkt immer tiefer unter die Bedingungen seiner eigenen Klasse herab. Der Arbeiter wird zum Pauper, und der Pauperismus [37] entwickelt sich noch schneller [38] als Bevölkerung und Reichtum.

Es tritt hiermit offen hervor, daß die Bourgeoisie unfähig ist, noch länger die herrschende Klasse der Gesellschaft zu bleiben und die Lebensbedingungen ihrer Klasse der Gesellschaft als regelndes Gesetz aufzuzwingen. Sie ist unfähig zu herrschen, weil sie unfähig ist, ihrem Sklaven die Existenz selbst innerhalb seiner Sklaverei zu sichern, weil sie gezwungen ist, ihn in eine Lage herabsinken zu lassen, wo sie ihn ernähren muß, statt von ihm ernährt zu werden. Die Gesellschaft kann nicht mehr unter ihr leben, d.h., ihr Leben ist nicht mehr verträglich mit der Gesellschaft.“
https://www.marxists.org/deutsch/archiv/marx-engels/1848/manifest/1-bourprol.htm

aus „Best of Karl Marx. Auszüge aus der Manuskriptsammlung Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie“

In dem Maße aber, wie die große Industrie sich entwickelt, wird die Schöpfung des wirklichen Reichtums abhängig weniger von der Arbeitszeit und dem Quantum angewandter Arbeit als von der Macht der Agentien, die während der Arbeitszeit in Bewegung gesetzt werden und die selbst wieder – deren powerful effectiveness – selbst wieder in keinem Verhältnis steht zur unmittelbaren Arbeitszeit, die ihre Produktion kostet, sondern vielmehr abhängt vom allgemeinen Stand der Wissenschaft und dem Fortschritt der Technologie, oder der Anwendung dieser Wissenschaft auf die Produktion. (Die Entwicklung dieser Wissenschaft, besonders der Naturwissenschaft und mit ihr aller andren, steht selbst wieder im Verhältnis zur Entwicklung der materiellen Produktion.) Die Agrikultur z.B. wird bloße Anwendung der Wissenschaft des materiellen 601 Stoffwechsels, wie er am vorteilhaftesten zu regulieren für den ganzen Gesellschaftskörper. Der wirkliche Reichtum manifestiert sich vielmehr – und dies enthüllt die große Industrie – im ungeheuren Mißverhältnis zwischen der angewandten Arbeitszeit und ihrem Produkt wie ebenso im qualitativen Mißverhältnis zwischen der auf eine reine Abstraktion reduzierten Arbeit und der Gewalt des Produktionsprozesses, den sie bewacht. Die Arbeit erscheint nicht mehr so sehr als in den Produktionsprozeß eingeschlossen, als sich der Mensch vielmehr als Wächter und Regulator zum Produktionsprozeß selbst verhält. … Es ist nicht mehr der Arbeiter, der modifizierten Naturgegenstand als Mittelglied zwischen das Objekt und sich einschiebt; sondern den Naturprozeß, den er in einen industriellen umwandelt, schiebt er als Mittel zwischen sich und die unorganische Natur, deren er sich bemeistert. Er tritt neben den 29 Produktionsprozeß, statt sein Hauptagent zu sein. In dieser Umwandlung ist es weder die unmittelbare Arbeit, die der Mensch selbst verrichtet, noch die Zeit, die er arbeitet, sondern die Aneignung seiner eignen allgemeinen Produktivkraft, sein Verständnis der Natur und die Beherrschung derselben durch sein Dasein als Gesellschaftskörper – in einem Wort die Entwicklung des gesellschaftlichen Individuums, die als der große Grundpfeiler der Produktion und des Reichtums erscheint. Der Diebstahl an fremder Arbeitszeit, worauf der jetzige Reichtum beruht, erscheint miserable Grundlage gegen diese neuentwickelte, durch die. große Industrie selbst geschaffne. Sobald die Arbeit in unmittelbarer Form aufgehört hat, die große Quelle des Reichtums zu sein, hört und muß aufhören, die Arbeitszeit sein Maß zu sein und daher der Tauschwert [das Maß] des Gebrauchswerts. Die Surplusarbeit der Masse hat aufgehört, Bedingung für die Entwicklung des allgemeinen Reichtums zu sein, ebenso wie die Nichtarbeit der wenigen für die Entwicklung der allgemeinen Mächte des menschlichen Kopfes. Damit bricht die auf dem Tauschwert ruhnde Produktion zusammen, und der unmittelbare materielle Produktionsprozeß erhält selbst die Form der Notdürftigkeit und Gegensätzlichkeit abgestreift. Die freie Entwicklung der Individualitäten und daher nicht das Reduzieren der notwendigen Arbeitszeit, um Surplusarbeit zu setzen, sondern überhaupt die Reduktion der notwendigen Arbeit der Gesellschaft zu einem Minimum, der dann die künstlerische, wissenschaftliche etc. Ausbildung der Individuen durch die für sie alle freigewordne Zeit und geschaffnen Mittel entspricht. 602 … Die Natur baut keine Maschinen, keine Lokomotiven, Eisenbahnen, electric telegraphs, selfacting mules etc. Sie sind Produkte der menschlichen Industrie; natürliches Material, verwandelt in Organe des menschlichen Willens über die Natur oder seiner Betätigung in der Natur. Sie sind von der menschlichen Hand geschaffne Organe des menschlichen Hirns; vergegenständlichte Wissenskraft. Die Entwicklung des capital fixe zeigt an, bis zu welchem Grade das allgemeine gesellschaftliche Wissen, knowledge, zur unmittelbaren Produktivkraft geworden ist und daher die Bedingungen des gesellschaftlichen Lebensprozesses selbst unter die Kontrolle des general intellect gekommen und ihm gemäß umgeschaffen sind. Bis zu welchem Grade die gesellschaftlichen Produktivkräfte produziert sind, nicht nur in der Form des Wissens, sondern als unmittelbare Organe der gesellschaftlichen Praxis; des realen Lebensprozesses. 592 … In den Produktionsprozeß des Kapitals aufgenommen, durchläuft das Arbeitsmittel aber verschiedne Metamorphosen, deren letzte die Maschine ist oder vielmehr ein automatisches System der Maschinerie (System der Maschinerie; das automatische ist nur die vollendetste adäquateste Form derselben und verwandelt die Maschinerie erst in ein System), in Bewegung gesetzt durch einen Automaten, bewegende Kraft, die sich selbst bewegt; 30 596 … Daraus, daß die Maschinerie die entsprechendste Form des Gebrauchswerts des Capital fixe, folgt keineswegs, daß die Subsumtion unter das gesellschaftliche Verhältnis des Kapitals das entsprechendste und beste gesellschaftliche Produktionsverhältnis für die Anwendung der Maschinerie. In demselben Maße, wie die Arbeitszeit – das bloße Quantum Arbeit – durch das Kapital als einziges wertbestimmendes Element gesetzt wird, in demselben Maße verschwindet die unmittelbare Arbeit und ihre Quantität als das bestimmende Prinzip der Produktion – der Schöpfung von Gebrauchswerten und wird sowohl quantitativ zu einer geringern Proportion herabgesetzt wie qualitativ als ein zwar unentbehrliches, aber subalternes Moment gegen die allgemeine wissenschaftliche Arbeit, technologische Anwendung der Naturwissenschaften [… …] Das Kapital arbeitet so an seiner eigenen Auflösung als die Produktion beherrschende Form. 723 … Es bedarf keines besondren Scharfsinns, um zu begreifen, daß, ausgehend von der aus der Auflösung der Leibeigenschaft hervorgegangenen freien Arbeit oder Lohnarbeit, die Maschinen im Gegensatz zur lebendigen Arbeit als ihr fremdes Eigentum und feindliche Macht gegenüber allein entstehn können; d.h., daß sie ihr als Kapital gegenübertreten müssen. Ebenso leicht ist aber einzusehn, daß die Maschinen nicht aufhören werden, Agenten der gesellschaftlichen Produktion zu sein, sobald sie z.B. Eigentum der assoziierten Arbeiter werden Im ersten Fall ist aber ihre Distribution, d.h., daß sie dem Arbeiter nicht gehören, ebensosehr Bedingung der auf der Lohnarbeit gegründeten Produktionsweise. Im zweiten Fall würde die veränderte Distribution ausgehn von einer veränderten, erst durch den geschichtlichen Prozeß entstandnen neuen Grundlage der Produktion.“

http://www.praxisphilosophie.de/mueller_grundrisse_exzerpte.pdf

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